Stabile Seitenlage – Anleitung für Pflegekräfte
Bewusstlose Personen mit vorhandener Atmung müssen sofort in die stabile Seitenlage gebracht werden, um die Atemwege freizuhalten und eine Aspiration zu verhindern.
Was ist die stabile Seitenlage?
Die stabile Seitenlage ist eine lebensrettende Sofortmaßnahme für bewusstlose Personen, die noch selbstständig atmen. Durch die seitliche Lagerung fließen Erbrochenes, Blut oder Speichel aus dem Mund ab, anstatt in die Luftröhre zu gelangen. Gleichzeitig bleibt der Kopf überstreckt, sodass die Zunge nicht zurückfallen und die Atemwege blockieren kann.
In der stationären und ambulanten Pflege gehört die stabile Seitenlage zu den Basismaßnahmen der Ersten Hilfe, die jede Pflegekraft sicher beherrschen muss. Die Technik ist im Notfallplan jeder Einrichtung verankert und wird regelmäßig geschult.
Häufige Fehler bei der stabilen Seitenlage
In Notfallsituationen unterlaufen selbst erfahrenen Pflegekräften Fehler, die fatale Folgen haben können:
- Atemwege nicht freigemacht – Mundraum wird vor der Lagerung nicht kontrolliert (Prothesen, Speisereste)
- Kopf nicht überstreckt – die Zunge fällt zurück und verlegt die Atemwege trotz Seitenlage
- Unterlassung der Maßnahme – aus Angst, etwas falsch zu machen, wird gar nicht gehandelt
- Fehlende Atemkontrolle – die Atmung wird nach der Lagerung nicht kontinuierlich überwacht
- Kontraindikation nicht beachtet – bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung wird unsachgemäß bewegt
- Notruf verzögert – erst handeln, dann rufen – statt gleichzeitige Alarmierung durch Kollegen
Praxisbeispiel
Frau Sch., 87 Jahre, Pflegegrad 3, wird morgens um 6:45 Uhr bewusstlos auf dem Flur des Pflegeheims aufgefunden. Sie liegt auf dem Rücken und reagiert nicht auf Ansprache. Ihre Atmung ist vorhanden, aber geräuschvoll – ein Hinweis auf verlegte Atemwege.
Pflegerin Meier handelt sofort: Sie ruft laut um Hilfe, kontrolliert Mund und Rachen (Zahnprothese wird entfernt), überstreckt den Kopf und bringt Frau Sch. in die stabile Seitenlage. Eine Kollegin wählt parallel die 112. Die Atmung wird alle 60 Sekunden kontrolliert, bis der Rettungsdienst eintrifft.
→ Durch das rasche, strukturierte Handeln wurden die Atemwege gesichert und eine Aspiration verhindert.
Die 5 Schritte der stabilen Seitenlage
Die folgende Anleitung basiert auf den aktuellen ERC/GRC-Leitlinien und gilt für Erwachsene:
Laut ansprechen, an den Schultern rütteln. Atemkontrolle: Sehen – Hören – Fühlen für max. 10 Sekunden. Bei normaler Atmung → stabile Seitenlage. Keine Atmung → CPR beginnen.
Sofort Kollegen alarmieren bzw. Notruf absetzen lassen. Niemals den Patienten allein lassen, ohne vorher Hilfe gerufen zu haben.
Mundraum inspizieren: Zahnprothesen, Speisereste oder Erbrochenes vorsichtig entfernen. Kopf nach hinten überstrecken, Kinn anheben.
Nahen Arm im rechten Winkel nach oben legen. Fernen Arm über die Brust führen, Hand an die nahe Wange halten. Fernes Bein anwinkeln und Person zu sich herüberziehen. Kopf überstrecken, Mund als tiefsten Punkt positionieren.
Atmung alle 60 Sekunden kontrollieren. Patienten zudecken (Wärmeerhalt). Bei Atemstillstand sofort auf den Rücken drehen und CPR beginnen.
Indikation und Kontraindikation
Indikation
Bewusstlosigkeit mit vorhandener Atmung: Ohnmacht, Intoxikation, Krampfanfall (nach Ende), Stoffwechselentgleisung
Kontraindikation
Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung – Kopf nicht überstrecken, Atemwege manuell sichern. Keine Atmung → CPR hat Vorrang.
7 Merkpunkte für die Praxis
- Bewusstsein und Atmung immer zuerst prüfen – keine Seitenlage ohne Atemkontrolle
- Notruf 112 parallel durch Kollegin/Kollegen absetzen lassen
- Mundraum kontrollieren und Fremdörper entfernen vor der Lagerung
- Kopf überstrecken – Mund als tiefsten Punkt positionieren
- Atmung alle 60 Sekunden kontrollieren, bis der Rettungsdienst eintrifft
- Bei Atemstillstand sofort auf den Rücken drehen und CPR beginnen
- Jede Maßnahme dokumentieren: Uhrzeit, Befund, durchgeführte Handlung
Merksatz: Bewusstlos + Atmung vorhanden = Stabile Seitenlage. Bewusstlos + keine Atmung = Reanimation. Handeln ist immer besser als Abwarten.
Häufig gestellte Fragen
Auf welche Seite wird die Person gedreht?
Grundsätzlich ist die Seite zweitrangig – entscheidend ist die schnelle Durchführung. Drehen Sie die Person am besten zu sich hin (über das angewinkelte Bein). Bei Schwangeren wird die linke Seitenlage empfohlen, um die Vena cava nicht zu komprimieren.
Darf ich einen bewusstlosen Menschen mit Prothese in die Seitenlage bringen?
Ja, aber entfernen Sie lockere Zahnprothesen vorher vorsichtig, um eine Aspiration zu vermeiden. Fest sitzende Prothesen können belassen werden, da sie die Gesichtskontur stabilisieren.
Wie oft muss die stabile Seitenlage geübt werden?
Die DGUV empfiehlt jährliche Auffrischungen der Ersten-Hilfe-Kenntnisse für betriebliche Ersthelfer. In Pflegeeinrichtungen sind regelmäßige Notfallübungen (mind. 1×/Jahr) Standard.
Was tun, wenn die Person während der Seitenlage aufhört zu atmen?
Sofort auf den Rücken drehen und mit der Herzdruckmassage (30:2) beginnen. Die Seitenlage ist nur für Personen mit vorhandener Atmung vorgesehen.
Gilt die stabile Seitenlage auch für Säuglinge?
Bei Säuglingen wird keine klassische Seitenlage durchgeführt. Stattdessen wird das Kind bauchlage auf dem Unterarm gehalten (Kopf tiefer als der Rumpf), um die Atemwege freizuhalten. Bei älteren Kindern ab ca. 1 Jahr kann die modifizierte Seitenlage angewendet werden.
Quellen und weiterführende Literatur
- German Resuscitation Council (GRC) – Leitlinien zur Reanimation und Ersten Hilfe, basierend auf ERC Guidelines 2021
- European Resuscitation Council (ERC) – ERC Guidelines 2021: First Aid & Recovery Position
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) – DGUV Information 204-001: Erste Hilfe
- gesetze-im-internet.de – § 323c StGB: Unterlassene Hilfeleistung
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Richtig: B) – Bei Bewusstlosigkeit mit vorhandener Atmung werden die Atemwege freigemacht und die Person in die stabile Seitenlage gebracht. Eine CPR (A) ist nur bei Atemstillstand indiziert. Abwarten (C) und unsachgemäße Reize (D) sind gefährlich.
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