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Pflegeprozess & Dokumentation

Pflegeplanung – Der Pflegeprozess systematisch umgesetzt

Die Pflegeplanung ist das Steuerungsinstrument professioneller Pflege. Sie stellt sicher, dass pflegerische Maßnahmen nicht zufällig, sondern individuell, zielgerichtet und überprüfbar erfolgen. Ob nach ABEDL, ATL oder im Strukturmodell (SIS®) – der Pflegeprozess bildet immer das Grundgerüst.

6
Schritte des Pflegeprozesses
13
ABEDL nach Krohwinkel
SMART
Pflegeziele formulieren
SIS®
Entbürokratisiertes Modell

Was ist eine Pflegeplanung?

Die Pflegeplanung ist die individuelle, schriftliche Festlegung aller pflegerischen Maßnahmen für einen Pflegebedürftigen. Sie basiert auf dem Pflegeprozess und ist gemäß § 113 SGB XI verpflichtend. Ziel ist eine systematische, nachvollziehbare und evaluierbare Pflege.

Die Pflegeplanung unterscheidet sich vom Pflegebericht: Die Planung definiert den Soll-Zustand (Was soll erreicht werden? Welche Maßnahmen?), der Bericht dokumentiert den Ist-Verlauf (Was ist tatsächlich passiert?).

📋

Individuell

Jede Pflegeplanung wird für die einzelne Person erstellt – basierend auf deren Problemen, Ressourcen und Wünschen.

🎯

Zielgerichtet

Messbare Pflegeziele (SMART) geben die Richtung vor. Maßnahmen werden gezielt auf diese Ziele abgestimmt.

🔄

Zyklisch

Die Pflegeplanung ist kein einmaliges Dokument – sie wird kontinuierlich evaluiert und angepasst (Pflegeprozess als Kreislauf).

Der Pflegeprozess – 6 Schritte nach Fiechter & Meier

Der Pflegeprozess nach WHO/Fiechter & Meier ist ein systematischer, zyklischer Ablauf. Er läuft nie linear ab, sondern wird kontinuierlich angepasst:

1
Informationssammlung (Assessment)

Systematische Erfassung des Pflegebedarfs: Gespräch mit dem Pflegebedürftigen, Beobachtung, Assessmentinstrumente (SIS®, Barthel-Index, Braden-Skala, NRS), ärztliche Befunde, Angehörigengespräch, Biografie.

2
Erkennen von Pflegeproblemen und Ressourcen

Welche Einschränkungen bestehen? Welche Fähigkeiten sind noch vorhanden (Ressourcen)? Ressourcenorientierung ist zentral – Pflege baut auf dem auf, was der Mensch noch kann.

3
Pflegeziele festlegen (SMART)

Realistische, messbare Ziele nach dem SMART-Prinzip: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert. Nah- und Fernziele unterscheiden. Ziele mit dem Pflegebedürftigen gemeinsam vereinbaren.

4
Maßnahmen planen

Wer macht was, wann, wie oft, mit welchen Hilfsmitteln? Die Maßnahmen müssen auf die Ziele abgestimmt sein und die Ressourcen des Pflegebedürftigen einbeziehen. Prophylaxen (Sturz, Dekubitus, Kontrakturen) integrieren.

5
Durchführung

Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Dokumentation von Abweichungen und besonderen Beobachtungen im Pflegebericht. Leistungsnachweise führen.

6
Evaluation

Wurden die Pflegeziele erreicht? Sind die Maßnahmen wirksam? Was muss angepasst werden? Die Evaluation führt zurück zu Schritt 1 – der Pflegeprozess ist ein Kreislauf.

Merksatz: Der Pflegeprozess ist kein einmaliger Ablauf, sondern ein kontinuierlicher Regelkreis. Bei jeder Evaluation beginnt der Kreislauf von vorne – mit aktualisierten Daten, neuen Zielen und angepassten Maßnahmen.

ABEDL nach Krohwinkel – Das Pflegemodell im Detail

Das ABEDL-Modell (Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens) von Monika Krohwinkel ist das in Deutschland am weitesten verbreitete Pflegemodell. Es definiert 13 Lebensaktivitäten, anhand derer der Pflegebedarf systematisch erfasst wird:

Nr.ABEDLBeispiele für Pflegeressourcen und ‑probleme
1Kommunizieren könnenSprache, Hören, Sehen, nonverbale Zeichen. Problem: Aphasie, Demenz
2Sich bewegen könnenMobilität, Transferfähigkeit, Sturzrisiko → Mobilisation
3Vitale Funktionen aufrechterhaltenAtmung, Kreislauf, Temperaturregulation
4Sich pflegen könnenKörperpflege, Hautpflege, Mundpflege
5Essen und Trinken könnenAppetit, Schluckfähigkeit, Ernährungsstatus
6Ausscheiden könnenInkontinenz, Obstipation, Durchfall, Katheterpflege
7Sich kleiden könnenSelbstständigkeit beim An-/Ausziehen, Hilfsmittelbedarf
8Ruhen und Schlafen könnenSchlafqualität, Tag-Nacht-Rhythmus, Schlafstörungen
9Sich beschäftigen könnenAktivitäten, Hobbys, Teilhabe, Biografiearbeit
10Sich als Mann/Frau fühlenGeschlechtsidentität, Intimität, Partnerschaft
11Für eine sichere Umgebung sorgenSturzgefahr, Demenz-Sicherheit, Wohnraumanpassung
12Soziale Bereiche des Lebens sichernFamilienbeziehungen, Freundschaften, Isolation
13Mit existenziellen Erfahrungen umgehenTrauer, Angst, Sinnfindung, Spiritualität, Sterbebegleitung

Tipp: In der Ausbildung wird häufig eine ausformulierte Pflegeplanung nach allen 13 ABEDLs verlangt. In der Berufspraxis werden die ABEDLs über die SIS®-Themenfelder abgedeckt – der inhaltliche Kern bleibt derselbe.

Pflegeziele formulieren – SMART-Methode

Pflegeziele müssen so formuliert sein, dass sie überprüfbar sind. Die SMART-Methode bietet dafür eine bewährte Struktur:

🎯

S – Spezifisch

Genau beschreiben, was erreicht werden soll. „Mobilität verbessern“ ist zu vage – „Herr M. geht täglich mit Rollator 50 m“ ist spezifisch.

📏

M – Messbar

Kriterien definieren, anhand derer der Erfolg beurteilt wird: Strecke, Zeit, Häufigkeit, Schmerzskala (NRS), Gewicht.

💡

A – Attraktiv

Das Ziel muss für den Pflegebedürftigen sinnvoll und erstrebenswert sein – gemeinsam vereinbart, nicht übergestülpt.

R – Realistisch

Erreichbar mit den vorhandenen Ressourcen. Überhöhte Ziele führen zu Frustration auf beiden Seiten.

T – Terminiert

Zeitpunkt der Überprüfung festlegen: „Innerhalb von 2 Wochen“, „Bis zum 15.04.“.

Beispiele: Falsch vs. Richtig formuliert

❌ Falsch✅ Richtig (SMART)
„Mobilität verbessern“„Fr. S. kann innerhalb von 14 Tagen 3× täglich mit Rollator 10 m gehen (NRS Schmerz ≤ 3)“
„Ernährung sicherstellen“„Hr. K. nimmt bis 30.04. mindestens 1.500 kcal/Tag auf, Gewicht stabil ± 0,5 kg“
„Schmerzen reduzieren“„Fr. B. gibt innerhalb von 7 Tagen einen Ruheschmerz von NRS ≤ 3/10 an (aktuell NRS 6)“
„Dekubitus vermeiden“„Haut am Sakral intakt, keine Rötung Grad I, Evaluation in 7 Tagen“
Praxisbeispiel SMART-Ziel

„Frau S. (PG 3, Gonarthrose) kann innerhalb von 14 Tagen mit Unterstützung einer Pflegeperson 3× täglich von der Bettkante aufstehen und 10 Sekunden frei stehen, ohne Schwindelgefühl (NRS Schwindel ≤ 2).“

S=Aufstehen und Stehen, M=10 Sek./3×/NRS≤2, A=Patientin wünscht Mobilität, R=guter AZ, T=14 Tage.

Praxisbeispiel – Komplette Pflegeplanung

So sieht eine ausformulierte Pflegeplanung für ein konkretes Pflegeproblem aus (klassisch nach ABEDL):

Fallbeispiel: Herr M., 82 Jahre, PG 3

ABEDL 2 – Sich bewegen können

ElementInhalt
PflegeproblemHr. M. kann aufgrund einer Hemiplegie rechts nicht selbstständig vom Bett aufstehen. Erhöhtes Sturzrisiko (Braden 17, Tinetti 14/28).
RessourcenMotiviert, kooperativ. Linkshänder. Kann sich verbal äußern. Greifkraft links erhalten. Nutzt Rollator mit Anleitung.
Nahziel (2 Wochen)Hr. M. kann mit Anleitung und Rollator 3× täglich 5 m gehen. Kein Sturzereignis. NRS Schmerz ≤ 4/10 bei Mobilisation.
Fernziel (6 Wochen)Hr. M. mobilisiert sich morgens selbstständig mit Rollator zur Nasszelle (ca. 8 m). Sturzrisiko reduziert (Tinetti ≥ 18).
Maßnahmen› 3× tgl. Mobilisation mit Rollator, Anleitung durch PFK
› Sturzprophylaxe: rutschfeste Schuhe, Haltegriffe, Nachtlicht
› Krafttraining Bettgymnastik (10 Min. morgens)
› Transfer nach Bobath-Konzept
Schmerzassessment vor/nach Mobilisation (NRS)
› Evaluation nach 14 Tagen
Evaluation14.04.: Hr. M. geht mit Rollator 5 m, NRS 3/10. Tinetti 16. Nahziel teilweise erreicht. Weiteres Ziel: 8 m. Maßnahmen beibehalten, Mobilisation auf 4× tgl. erhöhen.

Klassische Pflegeplanung vs. Strukturmodell (SIS®)

Seit der Einführung des Strukturmodells 2015 stehen zwei Systeme nebeneinander. Beide sind zulässig:

MerkmalKlassische PflegeplanungStrukturmodell (SIS®)
GrundlagePflegeprozess nach Fiechter/Meier, ABEDL/ATLSIS® mit 6 Themenfeldern + Risikomatrix
PflegeproblemeEinzeln formuliert mit RessourcenIn der SIS beschrieben, nicht gesondert ausformuliert
PflegezieleSMART-Ziele zu jedem ProblemImplizit im Maßnahmenplan
MaßnahmenplanDetaillierte Maßnahmen pro ProblemTagesstrukturierender Maßnahmenplan
PflegeberichtTägliche EinträgeNur Abweichungen vom Plan
AufwandHoch (viel Schreibaufwand)Deutlich reduziert
EignungKomplexe Fälle, Ausbildung, PrüfungPraxisalltag stationär und ambulant

Für die Ausbildung/Prüfung: In Pflegeausbildungen wird häufig die klassische Pflegeplanung nach ABEDL verlangt, da sie das analytische Denken schult. In der Berufspraxis hat sich das Strukturmodell (SIS®) als Standard durchgesetzt. Beide Ansätze beruhen auf dem gleichen Pflegeprozess – sie unterscheiden sich nur in der Dokumentationstiefe.

Evaluation – Pflegeplanung überprüfen und anpassen

Die Evaluation ist der entscheidende Schritt, der die Qualität der Pflege sichert. Ohne regelmäßige Überprüfung bleibt die Pflegeplanung ein statisches Dokument.

Wann muss evaluiert werden?

  • Zum festgelegten Evaluationstermin (im Pflegeziel definiert)
  • Bei jeder wesentlichen Zustandsänderung (Sturz, Krankenhausaufenthalt, neue Diagnose)
  • Nach Änderung des Pflegegrads
  • Nach dem Beratungsbesuch (§ 37 Abs. 3 SGB XI – halbjährlich für alle PG 2–5)
  • Spätestens alle 3–6 Monate (je nach Trägervorgabe)

Evaluationsfragen

Ziel erreicht

› Pflegeproblem gelöst → Eintrag archivieren
› Neues Ziel formulieren oder Maßnahme beenden
› Erfolg dokumentieren

Ziel nicht erreicht

› Ursachen analysieren: Ziel unrealistisch? Maßnahme unwirksam? Neue Probleme?
› Ziel und Maßnahmen anpassen
› Neuen Evaluationstermin setzen

Häufige Fehler in der Pflegeplanung

FehlerWarum problematisch?Besser so
Standardformulierungen kopiertKeine individualisierte Pflege, fällt bei MD-Prüfung aufJede Planung individuell auf die Person abstimmen
Ziele zu vage formuliert„Mobilität fördern“ ist nicht überprüfbarSMART-Kriterien konsequent anwenden
Ressourcen nicht erfasstPflege wirkt defizitorientiert statt förderndImmer fragen: Was kann der Mensch noch selbst?
Keine Evaluation durchgeführtPlanung veraltet, Maßnahmen passen nicht mehrEvaluationstermin in jedes Pflegeziel schreiben
Maßnahmen ohne Pflegebezug„Arzt informieren“ ist keine PflegemaßnahmeKonkrete pflegerische Handlungen beschreiben
Prophylaxen vergessenDekubitus, Sturz, Kontraktur – nicht geplant = nicht evaluiertRisikoassessment durchführen, Prophylaxen einplanen

Pflegeplanung ambulant vs. stationär

Die Pflegeplanung unterscheidet sich je nach Versorgungssetting:

🏠

Ambulante Pflege

› Fokus auf vertraglich vereinbarte Leistungen nach § 36 SGB XI
› Pflegebedürftiger pflegt sich zwischen den Einsätzen selbst oder mit Angehörigen
› Angehörige als Ressource einbeziehen
› Beratungsbesuch halbjährlich (§ 37 Abs. 3 SGB XI – alle PG 2–5)
› Häusliches Umfeld dokumentieren (Stolperfallen, Barrierefreiheit)
› SIS® hat sich als Standard durchgesetzt

🏛

Stationäre Pflege

› 24h-Versorgung – Pflegeplanung umfasst alle Lebensbereiche
› Schichtübergreifende Kontinuität gewährleisten
› Mehrere Pflegekräfte setzen die Planung um
› MD-Prüfung nach QPR (seit 01.11.2019)
› Biografiearbeit besonders wichtig für individuelle Pflege
› Höherer Dokumentationsaufwand

Pflegeplanung bei der MD-Prüfung

Bei der Qualitätsprüfung nach QPR (in Kraft seit 2019) prüft der Medizinische Dienst, ob die Pflegeplanung den individuellen Bedarf widerspiegelt und ob die geplanten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.

Worauf achten die Prüfer?

  • Sind die Pflegeprobleme individuell erfasst (nicht nur Standardformulierungen)?
  • Sind Ressourcen benannt – wird fördernd statt überversorgend gepflegt?
  • Sind die Pflegeziele SMART formuliert und mit dem Bewohner vereinbart?
  • Passen die geplanten Maßnahmen zu den Zielen?
  • Werden Expertenstandards berücksichtigt (Dekubitus, Sturz, Schmerz, Ernährung)?
  • Ist die Evaluation terminiert und dokumentiert?
  • Stimmt die Pflegeplanung mit dem tatsächlich beobachteten Zustand überein?

Achtung: Der MD bewertet seit 2019 die Ergebnisqualität. Eine perfekt formulierte Pflegeplanung nützt nichts, wenn der Bewohner einen Dekubitus hat und die Planung keine Dekubitusprophylaxe enthält. Planung und Realität müssen übereinstimmen.

Häufige Fragen zur Pflegeplanung

Wer erstellt die Pflegeplanung?

Die Pflegeplanung ist eine Fachkraft-Aufgabe – nur examinierte Pflegefachkräfte (Pflegefachfrau/-mann, Altenpfleger/in, Gesundheits- und Krankenpfleger/in) dürfen die SIS® erstellen und den Maßnahmenplan verantworten. Pflegehilfskräfte führen die geplanten Maßnahmen durch und dokumentieren Abweichungen.

Wie oft muss die Pflegeplanung aktualisiert werden?

Bei jeder wesentlichen Zustandsänderung (Sturz, Krankenhausaufenthalt, neue Diagnose, Pflegegrad-Änderung) und spätestens alle 6 Monate. In der ambulanten Pflege nach dem Beratungsbesuch (§ 37 Abs. 3 SGB XI – seit 2025 halbjährlich für alle PG 2–5). Viele Träger haben kürzere Evaluationsintervalle (z. B. vierteljährlich).

Was ist der Unterschied zwischen ABEDL und ATL?

ATL (Aktivitäten des täglichen Lebens) nach Roper, Logan & Tierney umfassen 12 Lebensaktivitäten und stammen aus dem angelsächsischen Raum. ABEDL nach Monika Krohwinkel ist die deutsche Weiterentwicklung mit 13 Bereichen und legt zusätzlich Wert auf existenzielle Erfahrungen und soziale Beziehungen. In der deutschen Pflegepraxis ist ABEDL verbreiteter, ATL findet man eher in Krankenhäusern.

Dürfen Pflegehelfer die Pflegeplanung erstellen?

Nein – die Erstellung der Pflegeplanung (SIS®, Maßnahmenplan, Zielformulierung) ist eine Fachkraft-Tätigkeit. Pflegehelfer und Pflegeassistenten dürfen ihre Beobachtungen einbringen, die geplanten Maßnahmen durchführen und Abweichungen dokumentieren – aber nicht die Pflegeplanung eigenständig erstellen oder ändern.

Muss der Pflegebedürftige bei der Planung einbezogen werden?

Ja – die Einbeziehung des Pflegebedürftigen (und ggf. seiner Angehörigen oder seines Betreuers) ist ein Qualitätskriterium. Die SIS® beginnt ausdrücklich mit der Sicht des Pflegebedürftigen („Was ist Ihnen wichtig?“). Auch die Zielvereinbarung sollte partizipativ erfolgen.

Wie unterscheiden sich Nah- und Fernziele?

Nahziele sind kurzfristig erreichbar (1–4 Wochen) und konkret messbar: „Hr. M. geht 5 m mit Rollator.“ Fernziele beschreiben den angestrebten Endzustand (4–12 Wochen): „Hr. M. mobilisiert sich selbstständig zur Nasszelle.“ Die Nahziele sind Zwischenschritte auf dem Weg zum Fernziel.

Was passiert, wenn die Pflegeplanung veraltet ist?

Eine veraltete Pflegeplanung ist ein Qualitätsmangel – die geplanten Maßnahmen passen nicht mehr zum aktuellen Zustand. Bei einer MD-Prüfung wird dies als Dokumentationsmangel bewertet. Im Haftungsfall kann die Einrichtung nicht belegen, dass die Pflege dem aktuellen Bedarf entspricht.

Gibt es Software für die Pflegeplanung?

Ja – die meisten digitalen Pflegedokumentationssysteme (z. B. DAN, Vivendi, Medifox, Connext) unterstützen die Pflegeplanung mit Textbausteinen und SIS®-Vorlagen. Wichtig: Textbausteine müssen individuell angepasst werden – „Copy-Paste-Pflege“ wird bei MD-Prüfungen negativmerklich bewertet.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Krohwinkel M: Fördernde Prozesspflege mit integrierten ABEDLs. Verlag Hans Huber, 2013
  • Fiechter V, Meier M: Pflegeplanung – Eine Anleitung für die Praxis. Recom, 1998
  • EinSTEP – Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (SIS®), 2015
  • Roper N, Logan W, Tierney A: The Roper-Logan-Tierney Model of Nursing. Churchill Livingstone, 2000
  • § 113 SGB XI – Maßstäbe und Grundsätze für Qualität und Qualitätssicherung in der Pflege
  • § 630f BGB – Dokumentationspflicht (zeitnahe Aufzeichnung wesentlicher Maßnahmen)
  • QPR – Qualitätsprüfungs-Richtlinien (in Kraft seit 01.11.2019 stationär / 01.01.2020 ambulant)

Selbsttest – Testen Sie Ihr Wissen

Wissens-Check 1

Welches Pflegemodell liegt dem ABEDL-Konzept zugrunde, das in Deutschland am häufigsten in der Pflegeplanung eingesetzt wird?

Das Pflegeprozessmodell nach Fiechter & Meier
Das Modell der fördernden Prozesspflege nach Monika Krohwinkel
Das ATL-Modell nach Roper, Logan & Tierney
Das Selbstpflegedefizit-Modell nach Dorothea Orem
Richtig: Die 13 ABEDL stammen aus dem Modell der fördernden Prozesspflege nach Monika Krohwinkel. Fiechter & Meier beschreiben den 6-Phasen-Pflegeprozess (kein inhaltliches Modell). ATL von Roper/Logan/Tierney umfasst 12 Lebensaktivitäten. Orem fokussiert auf Selbstpflege.
Wissens-Check 2

Was bedeutet das „T“ in der SMART-Methode für Pflegeziele?

Therapeutisch
Teamorientiert
Terminiert
Richtig: Terminiert – jedes Pflegeziel braucht einen konkreten Zeitpunkt, bis wann es erreicht sein soll und wann evaluiert wird. Ohne Termin ist keine Überprüfung möglich.
Wissens-Check 3

Wie viele Schritte hat der Pflegeprozess nach Fiechter & Meier?

4 Schritte
6 Schritte
8 Schritte
Richtig: Der Pflegeprozess nach Fiechter & Meier umfasst 6 Schritte: 1. Informationssammlung, 2. Probleme/Ressourcen erkennen, 3. Ziele festlegen, 4. Maßnahmen planen, 5. Durchführung, 6. Evaluation. Der WHO-Pflegeprozess hat dagegen nur 4 Schritte.

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Tim Reinhold Gründer & Hauptdozent

Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Praxisanleiter und Pflegedienstleitung. Gründer von Weiterbildungen Reinhold (Hattingen) seit 2020. Über 1.500 Unterrichtseinheiten Fachqualifizierung in Behandlungspflege, Palliativ Care und Beatmungspflege. Mehr zur Person ›