Weiterbildungen Reinhold
Pflegeberatung

Pflegestützpunkt-Beratung – kostenlos, neutral, umfassend

Pflegestützpunkte sind die wichtigste, aber am wenigsten bekannte Anlaufstelle im deutschen Pflegesystem. Sie beraten kostenlos, ohne Interessenkonflikt und ohne Verkaufsabsicht — zu allen Fragen rund um Pflegegrad, Leistungen, Anträge, ambulante Dienste, Heim und Angehörigenentlastung. Dieser Leitfaden zeigt, was Pflegestützpunkte leisten, wie man einen Termin bekommt und wie man das Gespräch optimal vorbereitet.

0 €
Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — vollständig kostenlos
§ 7c
SGB XI — Rechtsgrundlage Pflegestützpunkte
Auch Hausbesuche — kein Weg nötig
neutral
Unabhängig von Pflegekassen und Anbietern

Was ist ein Pflegestützpunkt – und was macht ihn besonders?

Ein Pflegestützpunkt ist eine unabhängige Beratungsstelle, die seit 2008 auf Basis von § 7c SGB XI eingerichtet werden kann — heute in den meisten Bundesländern flächendeckend vorhanden. Sie werden gemeinsam von Pflege- und Krankenkassen sowie der kommunälen Sozialhilfe betrieben und sind dadurch systemunabhängig: Kein Anbieter steht dahinter, der einen Pflegedienst verkaufen möchte.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Beratern: Ein Pflegedienst, der Beratung anbietet, hat ein Eigeninteresse daran, dass Sie seine Leistungen buchen. Ein Pflegemittelversandhandel möchte Inkontinenzmaterial verkaufen. Ein Pflegestützpunkt hat keines dieser Interessen — er hat den gesetzlichen Auftrag, neutral zu beraten. Das ist sein größter Wert.

Wer betreibt Pflegestützpunkte?

In den meisten Bundesländern werden Pflegestützpunkte von einem Trägerverbund betrieben:

  • Pflegekassen (AOK, Barmer, TK, DAK etc.) entsenden Mitarbeitende oder finanzieren die Stellen mit
  • Landkreise und kreisfreie Städte stellen Räumlichkeiten und kommunale Sozialberatung bereit
  • Wohlfahrtsverbände (Caritas, AWO, Diakonie, DRK) können eingebunden sein, je nach Bundesland
  • Die Gesamtkoordination liegt bei den Ländern — deshalb gibt es regionale Unterschiede in Name, Struktur und Angebot
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Vor-Ort-Beratung

Persönliche Beratung im Pflegestützpunkt — ohne Termin oder mit Termin, je nach Einrichtung. Viele Stützpunkte haben mehrere Standorte in einer Region und bieten Sprech- stunden ohne lange Wartezeiten an.

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Telefonberatung

Für erste Orientierung oder schnelle Fragen — telefonisch erreichbar während der Sprechzeiten. Ideal für Angehörige, die selbst berufstätig sind und keinen Termin wahrnehmen können.

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Hausbesuch

Wenn der Pflegebedürftige selbst nicht mobil ist — kommt der Berater nach Hause. Der Hausbesuch erlaubt zusätzlich eine persönliche Einschätzung der Wohnsituation und gibt Hinweise auf Wohnraumanpassungen.

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Fallbegleitung

Komplexe Situationen werden nicht einmalig beraten, sondern dauerhaft begleitet — von der Erstberatung bis zur endgültigen Versorgungslösung. Besonders hilfreich bei Widerspruchsverfahren oder Heimsuche.

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Antragsunterstützung

Begleitung beim Ausfüllen von Anträgen — Pflegegrad, Entlastungsbetrag, Wohnungsanpassung, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege. Viele Familien wissen nicht, welche Formulare nötig sind.

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Angehörigen-Beratung

Nicht nur der Pflegebedürftige, auch pflegende Angehörige haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung — zu Entlastungsmöglichkeiten, eigener Absicherung (Rentenzeiten, Pflegezeit) und Bewältigungsstrategien.

Anspruch auf Pflegeberatung – wer hat ihn und ab wann?

Die Pflegeberatung ist im SGB XI gesetzlich verankert — nicht als freiwilliges Angebot, sondern als Rechtsanspruch. Jeder, der Pflegeleistungen beantragt oder bezieht, hat das Recht auf kostenlose, individuelle Pflegeberatung.

Wer hat Anspruch?

§ 7a SGB XI — Pflegeberatung

  • Alle, die Pflegeleistungen beantragt haben (ab Antragsdatum)
  • Alle, die bereits einen Pflegegrad haben
  • Angehörige pflegebedürftiger Personen
  • Personen, die sich um einen Angehörigen kümmern und Beratung suchen
  • Auch ohne Pflegekassen-Mitgliedschaft: Pflegestützpunkt berät unter § 7c SGB XI
Was ist kein Anspruch?

Grenzen der Pflegeberatung

  • Kein Rechtsanspruch auf spezifische Empfehlung eines bestimmten Pflegedienstes
  • Kein Rechtsanspruch auf sofortigen Hausbesuch — Terminvereinbarung erforderlich
  • Keine Rechtsberatung im engeren Sinne — für Klageverfahren: VdK / SoVD
  • Kein Anspruch auf Übernahme von Verwaltungsaufgaben (Formulare ausfüllen kann angeboten werden, ist aber kein gesetzlicher Auftrag)

Pflegeberatungsbesuch nach § 37 Abs. 3 SGB XI: Wer zu Hause gepflegt wird und Pflegegeld bezieht, ist verpflichtet, regelmäßig einen Beratungsbesuch durch einen anerkannten Pflegedienst oder Pflegeberater abzurufen — seit 01.01.2026 gilt für alle Pflegegrade (PG 2–5) eine halbjährliche Pflichtberatung. Bei PG 4 und PG 5 kann der Beratungsbesuch auf Wunsch weiterhin vierteljährlich erfolgen, dies ist jedoch freiwillig. Dieser Beratungsbesuch ist kein Kontrollbesuch, sondern eine Qualitätssicherung. Er dient dazu, die häusliche Pflegesituation zu prüfen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und Familien zu entlasten. Kosten: übernimmt die Pflegekasse.

Pflichtberatungsbesuche – Fristen und Kosten

PflegegradHäufigkeit BeratungsbesuchKosten für VersicherteRechtsgrundlage
PG 2 Alle 6 Monate 0 € § 37 Abs. 3 SGB XI
PG 3 Alle 6 Monate 0 € § 37 Abs. 3 SGB XI
PG 4 Alle 6 Monate (alle 3 Monate optional) 0 € § 37 Abs. 3 SGB XI
PG 5 Alle 6 Monate (alle 3 Monate optional) 0 € § 37 Abs. 3 SGB XI
PG 1 / Kein PG Auf Wunsch (keine Pflicht) 0 € § 7a SGB XI

Pflicht-Beratungsbesuch nicht verpassen: Wer den halbjährlichen Beratungsbesuch (seit 01.01.2026 für alle PG 2–5) nicht wahrnimmt, riskiert eine Kürzung des Pflegegeldes. Die Pflegekasse kann bei ausbleibenden Nachweisen das Pflegegeld halbieren oder sogar streichen. Ein Nachholtermin ist möglich, aber nicht automatisch akzeptiert. Bei PG 4 und 5 kann der Beratungsbesuch auf freiwilliger Basis vierteljährlich abgerufen werden – dies ist keine Pflicht, kann aber bei hohem Pflegebedarf sinnvoll sein. Terminbescheinigung vom Pflegedienst oder Berater aufheben!

Was der Pflegestützpunkt besprechen kann – alle Themenfelder

Ein Beratungsgespräch im Pflegestützpunkt kann sich über viele Themen erstrecken. Wer gut vorbereitet kommt, kann in einem einzigen Termin eine Fülle von Fragen klären, die sonst Wochen an Telefonaten und Recherche kosten würde. Folgende Themenfelder können typischerweise abgedeckt werden:

Pflegegrad & Antrag

Pflegegrad beantragen, prüfen und höherstufen

Der Berater erklärt das NBA-Begutachtungssystem, hilft bei der Einschätzung des voraussichtlichen Pflegegrades, bereitet auf den MD-Termin vor und unterstützt bei Widerspruchsverfahren wenn das Ergebnis zu niedrig ausfiel. Er kann auch einschätzen, ob eine Stufenanhebung bei verändertem Zustand sinnvoll ist.

Finanzielle Leistungen

Alle Leistungen der Pflegekasse erklärt und kombiniert

Pflegegeld, Sachleistungen, Entlastungsbetrag, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Wohnungsanpassungszuschuss, Pflegehilfsmittel — der Berater zeigt, wie diese Leistungen sinnvoll kombiniert werden können und was im individuellen Fall am meisten bringt. Viele Familien schöpfen nur einen Bruchteil der möglichen Leistungen aus.

Häusliche Pflege

Ambulante Dienste, Tagespflege, Nachtpflege

Welche ambulanten Pflegedienste gibt es in der Region? Was kosten sie im Vergleich zur Kassenleistung? Wie funktioniert Kombipflege (Pflegegeld + Sachleistung gleichzeitig)? Wann lohnt sich Tagespflege — auch als Entlastung für Angehörige? Der Pflegestützpunkt gibt regionale Empfehlungen, ohne selbst einen Dienst anzubieten.

Stationäre Optionen

Pflegeheim — Auswahl, Kosten, Eigenanteil, Sozialhilfe

Wie findet man ein geeignetes Pflegeheim? Worauf achtet man beim Heimvertrag? Wie hoch ist der Eigenanteil im Heimbereich und was kann das Sozialamt übernehmen? Auch: kurzfristige Unterbringung (Kurzzeitpflege) als Übergangslösung — welche Einrichtungen haben gerade freie Plätze?

Angehörige

Entlastung, Rentenversicherung, Pflegezeit, Burnout-Prävention

Pflegende Angehörige haben eigene Ansprüche — Rentenzeiten durch die Pflegekasse (ab PG 2), Pflegezeit und Familienpflegezeit beim Arbeitgeber, Unfallversicherung. Auch: Wann ist es normal, am Limit zu sein — und wo gibt es Kurzzeiturlaub für pflegende Angehörige? Der Pflegestützpunkt berät auch zu diesen persönlichen Aspekten.

Rechtliche Grundlagen

Vollmacht, Betreuung, Widerspruch, Patientenverfügung

Der Berater gibt eine erste Orientierung zu Vorsorgevollmacht, Betreuung und Patientenverfügung — auch wenn er selbst keine Rechtsberatung anbieten darf. Er kann an geeignete Stellen (Betreuungsverein, Notar, VdK) verweisen und erklären, welche Dokumente warum wichtig sind.

Wohnen & Hilfsmittel

Wohnraumanpassung, technische Hilfsmittel, KfW-Förderung

Welche Umbaumaßnahmen sind sinnvoll (Dusche statt Wanne, Haltegriffe, Treppenlift)? Bis zu 4.180 € Wohnungsanpassungszuschuss je Umbaumaßnahme und Pflegebedürftigen-Haushalt. Zusätzlich KfW-Kredit oder -Zuschuss. Auch: Welche technischen Hilfsmittel (Pflegebett, Rollstuhl, Hausnotruf) können über die Pflegekasse finanziert werden?

Wie man einen Pflegestützpunkt findet und einen Termin bekommt

In vielen Bundesländern gibt es Pflegestützpunkte in jedem Landkreis — aber die Namen variieren je nach Region. Manche heißen „Pflegestützpunkt“, andere „Pflegeberatungsstelle“, „Seniorenberatung“ oder „Angehörigenberatung“. Hier die schnellsten Wege zur nächsten Beratungsstelle:

1
Über die Pflegekasse anfragen

Die Pflegekasse (Nummer auf der Versicherungskarte) ist verpflichtet, über Pflegestützpunkte in der Region zu informieren und ggf. zu vermitteln. Einfach anrufen: „Können Sie mir den nächsten Pflegestützpunkt nennen?“ Bei größeren Kassen gibt es auch kasseninterne Pflegeberater — das ist aber nicht dasselbe wie ein unabhängiger Pflegestützpunkt.

2
Gemeinde, Stadtverwaltung oder Landratsamt

Der Pflegestützpunkt ist meist beim Landkreis oder der kreisfreien Stadt angesiedelt. Einfach beim zuständigen Sozialamt oder älteren Abteilungen der Verwaltung anrufen und nach dem Pflegestützpunkt fragen. In vielen Städten ist er auch über die Stadtteilbüros erreichbar.

3
Wegweiser-Datenbank des GKV-Spitzenverbandes

Auf der Website des GKV-Spitzenverbandes (pflegeberatung.de oder über die Pflegekassen-Website) gibt es eine Suchfunktion nach Postleitzahl. Auch über das bundesweite Pflegetelefon (030 340 60 66 02, Mo–Do 8–18 Uhr, Fr 8–12 Uhr) kann man sich weiterleiten lassen.

4
Termin vereinbaren — Hausbesuch ausdrücklich anfragen

Beim ersten Telefonkontakt direkt ansprechen: Liegt ein eingeschränkter Mobilitätszustand vor, der einen Hausbesuch erfordert? Die meisten Pflegestützpunkte bieten Hausbesuche an, müssen aber ausdrücklich darum gebeten werden. Für den Hausbesuch sollte man die wichtigsten Unterlagen bereit legen (Versicherungskarte, vorhandene Bescheide, Diagnosen-Liste).

5
Beratungsgespräch optimal vorbereiten

Je besser vorbereitet, desto mehr kann in einem Termin geklärt werden. Hilfreich: Liste der aktuellen Diagnosen und Medikamente, vorhandene Bescheide (Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis), Fragen aufschreiben, Angehörige der pflegenden Person einladen. Das erste Gespräch dauert oft 60–90 Minuten — und es deckt in dieser Zeit mehr ab als Stunden eigener Recherche.

Pflegestützpunkt, Pflegekasse, Sozialverband – wer ist wofür?

Es gibt verschiedene Beratungsangebote im Pflegebereich — mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Kosten und Unabhängigkeiten. Diese Tabelle schafft Klarheit darüber, was welche Stelle leistet und wo die Grenzen liegen:

BeratungsstelleUnabhängigkeitKostenStärkenGrenzen
Pflegestützpunkt Hoch Kostenlos Ganzheitlich, alle Themen, Hausbesuch, Fallbegleitung Keine Rechtsberatung / Vertretung
Pflegekasse (eigene Berater) Mittel Kostenlos Kennt eigene Kassenleistungen genau, schnelle Auskunft Interessenkonflikt: nur eigene Kassensicht; kein Vergleich
VdK / SoVD Hoch Mitgliedsbeitrag Rechtsberatung, Widerspruch, Klagebegleitung, stark bei Sozialrecht Keine regionale Pflegedienst-Auskunft; Wartezeiten
Ambulanter Pflegedienst Niedrig Oft kostenlos Konkretes Pflegeangebot, schnelle Verfügbarkeit Eigeninteresse: möchte seine eigenen Leistungen verkaufen
Caritas / Diakonie / AWO Mittel–hoch Überwiegend kostenlos Soziale Träger mit breitem Netz; auch Seniorenberatung Trägermit Eigenangeboten; nicht immer ganz neutral
Pflegeberater (freiberuflich) Hoch Kostenpflichtig Individuelle, intensive Begleitung; auch abends / am Wochenende Kosten variieren stark; nicht reguliert; Qualität prüfen
Krankenhaus-Sozialdienst Mittel Kostenlos Sehr gut für Entlassmanagement und Übergangslösungen Nur während Krankenhausaufenthalt verfügbar; Zeitdruck

Empfehlung: Nutzen Sie den Pflegestützpunkt als erste Anlaufstelle für die Gesamtorientierung — er zeigt das große Bild. Für Rechtsstreitigkeiten (Widerspruch, Klage) zusätzlich VdK oder SoVD. Für die eigentliche ambulante Pflegeversorgung dann einen konkreten Dienst anfragen — mit dem Wissen aus dem Pflegestützpunkt-Gespräch im Rücken.

Regionale Unterschiede – nicht alle Bundesländer sind gleich

Pflegestützpunkte sind bundesweit möglich, aber nicht bundesweit einheitlich. Die Einrichtung liegt in der Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer — und das führt zu erheblichen Unterschieden:

Bundesländer mit flächendeckendem Pflegestützpunkt-Netz

Die meisten westdeutschen Flächenländer und Berlin haben heute ein gut ausgebautes Netz mit hunderten von Standorten — teils mehrere pro Landkreis. Hier ist die Erreichbarkeit gut, Wartezeiten kurz und Hausbesuche unkompliziert.

  • Nordrhein-Westfalen: über 600 Pflegestützpunkte
  • Bayern: „Fachstellen für pflegende Angehörige“ flächendeckend
  • Baden-Württemberg: „Beratungsstellen für ältere Menschen“ in allen Kreisen
  • Hessen, Rheinland-Pfalz: gut ausgebautes Netz aus kommunalen und Verbands-Stellen

Unterschiede in Ostdeutschland und dünn besiedelten Regionen

In einigen ostdeutschen Bundesländern und ländlichen Regionen gibt es Pflegestützpunkte, aber ggf. mit größerem Einzugsbereich und längeren Anfahrten. Hier sind Telefonberatung und Hausbesuche besonders wichtig.

  • Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg: dünnes Netz — aber Telefonberatung möglich
  • Sachsen, Thüringen: Pflegestützpunkte vorhanden, aber regional unterschiedlich dicht
  • Alternativ: Kreis-Sozialdienste, AWO, Caritas als Anlaufstellen
  • Hamburg, Bremen, Berlin: gut ausgebaut, oft auch mehrsprachige Beratung

Tipp für ländliche Regionen: Wenn kein Pflegestützpunkt erreichbar ist, berät die Pflegekasse selbst über ihre eigenen Pflegeberater (§ 7a SGB XI) — auch telefonisch und teilweise per Videochat. Das ist nicht ganz so unabhängig, aber oft der praktikabelste Erste Schritt wenn der nächste Stützpunkt weit entfernt ist.

Praxisbeispiel: Familie Hartmann – ein Beratungsgespräch, vielfältige Ergebnisse

Praxisbeispiel aus der Beratungspraxis

Klaus, 71, Pflegegrad 3. Lebt zu Hause, seine Frau Monika pflegt ihn. Diagnosen: fortgeschrittene COPD, Herzinsuffizienz, eingeschränkte Mobilität. Monika ist 68, selbst nicht mehr ganz fit. Die Familie bezieht Pflegegeld (573 €/Monat), ansonsten nichts. Sie wissen nicht, dass es noch mehr gibt.

Erster Pflegestützpunkt-Termin — Hausbesuch: Der Berater kommt nach Hause. Ergebnis: Die Badezimmersituation ist gefährlich — eine Dusche wäre dringend nötig. Klaus schafft das Treppensteigen kaum noch. Monika schildert die Nächte: Klaus wird oft atemnotbedingt wach, Monika schläft kaum mehr.

Was nach dem Beratungsgespräch passiert: Der Berater identifiziert mehrere bislang ungenutzte Leistungen. „Ich hatte keine Ahnung, dass das alles gibt“, sagt Monika später.

  • Wohnungsanpassungsantrag: 4.180 € für Badumbau (ebenerdige Dusche) — Antrag wird gestellt
  • Entlastungsbetrag (131 €/Monat) ist nicht ausgenutzten — rückwirkend 2 Jahre nachfordern möglich (bis zu 3.144 €)
  • Verhinderungspflege (1.612 €/Jahr): Monika kann sich eine Woche Auszeit gönnen, ein Ersatzpflegedienst übernimmt
  • Rentenberechnung: Monika bekommt durch die Pflege Rentenzeiten gutgeschrieben — Antrag fehlte bislang
  • Technisches Hilfsmittel: Hausnotruf beantragt — Pflegekasse zahlt
  • Empfehlung: Tagespflege tagsüber für Klaus — entlastet Monika und gibt Klaus Struktur

Das Ergebnis des Beratungsgesprächs: potenzielle Mehrleistungen von über 8.000 € im ersten Jahr — plus dauerhafte monatliche Entlastung. Die Beratung hat insgesamt 90 Minuten gedauert und nichts gekostet.

So bereiten Sie das Pflegestützpunkt-Gespräch optimal vor

Ein gut vorbereitetes Gespräch maximiert den Nutzen. Folgende Unterlagen und Überlegungen sind hilfreich:

Was mitbringen?Warum?
Versicherungskarte & Pflegekasseninfo Berater kann Ansprüche prüfen und ggf. direkt Kontakt aufnehmen
Letzter Pflegegrad-Bescheid Berater sieht, was bereits genehmigt ist — und was fehlen könnte
Liste aktueller Diagnosen und Medikamente Grundlage für Einschätzung des Pflegegrades und der Leistungsberechtigung
Aktuelle Arzt- oder Entlassungsberichte Unterstützen den Berater bei der Einschätzung und ggf. Widerspruchsvorbereitung
Liste welche Leistungen bereits bezogen werden Zeigt sofort, welche Leistungen noch nicht genutzt werden
Wohnsituation kurz beschreiben / Fotos Für Einschätzung Wohnungsanpassungsbedarf (Badezimmer, Treppen, Türbreiten)
Eigene Fragen aufschreiben (vorab) Verhindert, dass wichtige Punkte vergessen werden oder Zeitdruck entsteht
Angehörige / Hauptpflegeperson mitnehmen Entlastung der Pflegeperson ist eigenes Beratungsthema — besser gemeinsam

Denken Sie auch an rückwirkende Ansprüche: Der Entlastungsbetrag (125 €/Monat) kann bis zu zwei Jahre rückwirkend abgerufen werden, falls er nicht genutzt wurde. Wer in der Vergangenheit keine Entlastungsleistungen in Anspruch genommen hat, kann dieses „angesparte“ Budget je nach Bundesland und Pflegekasse rückfordern — bis zu 3.000 € auf einmal. Diesen Punkt unbedingt im Gespräch ansprechen.

Häufige Fragen zur Pflegestützpunkt-Beratung

Muss ich einen Pflegegrad haben, um in den Pflegestützpunkt gehen zu können?

Nein. Der Pflegestützpunkt berät jeden, der Fragen zur Pflege hat — auch wenn noch kein Pflegegrad beantragt oder bewilligt wurde. Tatsächlich ist eine frühzeitige Beratung — bevor die Pflegebedürftigkeit akut wird — sogar besonders wertvoll, weil dann noch Zeit ist, alles vorzubereiten. Auch wer sich um einen Angehörigen kümmert, ohne selbst pflegebedürftig zu sein, kann zur Beratung kommen.

Ist der Pflegestützpunkt wirklich kostenlos — auch der Hausbesuch?

Ja — vollständig. Sowohl die Beratung vor Ort als auch telefonisch und per Hausbesuch sind kostenlos. Es gibt keine versteckten Kosten und keine Verpflichtung, im Anschluss bestimmte Dienste zu buchen. Die Finanzierung läuft über die Pflege- und Krankenkassen sowie die Kommunen. Das ist gesetzlich so geregelt.

Was ist der Unterschied zwischen dem Pflegestützpunkt und dem Pflegeberater der Pflegekasse?

Der Pflegeberater der Pflegekasse (nach § 7a SGB XI) wird von der Pflegekasse selbst gestellt — er kennt deren Leistungen gut, ist aber kein völlig unabhängiger Berater. Der Pflegestützpunkt hingegen ist eine eigenständige Einrichtung, die von mehreren Trägern gemeinsam betrieben wird — er ist systemübergreifend und gibt keine Empfehlungen, von denen die Pflegekasse profitiert. Für eine erste Orientierung sind beide gut; für ganzheitliche, neutrale Beratung ist der Pflegestützpunkt die bessere Wahl.

Kann der Pflegestützpunkt uns beim Widerspruch gegen den Pflegegrad helfen?

Der Pflegestützpunkt kann den Widerspruchsprozess erklären, bei der Formulierung des Widerspruchsschreibens helfen, auf relevante Unterlagen hinweisen und die Situation einschätzen. Er kann jedoch keine formale Rechtsvertretung übernehmen. Für eine rechtsverbindliche Vertretung empfiehlt der Pflegestützpunkt in der Regel den VdK (Sozialverband), SoVD oder einen auf Sozialrecht spezialisierten Rechtsanwalt. Der erste Schritt — Pflegestützpunkt — und dann ggf. VdK ist häufig der effektivste Weg.

Mein Angehöriger wohnt 300 km entfernt — welcher Pflegestützpunkt ist zuständig?

Zuständig ist der Pflegestützpunkt am Wohnort der pflegebedürftigen Person — nicht am Wohnort des Angehörigen. Sie als pflegender Angehöriger können sich aber auch beim Pflegestützpunkt in Ihrer eigenen Region beraten lassen — zu Ihrer eigenen Situation (Rentenzeiten, Pflegezeit, Entlastungsangebote). Für konkrete Versorgungsplanung für den Angehörigen: Pflegestützpunkt am Wohnort des Pflegebedürftigen kontaktieren, auch telefonisch.

Was passiert nach dem Erstgespräch — gibt es Follow-up?

Ja — der Pflegestützpunkt ist nicht auf einmalige Beratung beschränkt. Bei komplexen Fällen wird eine dauerhafte Fallbegleitung angeboten — d.h. der Berater begleitet aktiv durch mehrere Schritte: Antragstellung, Bescheid-Prüfung, Dienstleister-Vergleich, Einzug ins Pflegeheim. How oft ist ein Follow-up-Termin nach 4–8 Wochen sinnvoll — wenn erste Anträge gestellt wurden und deren Ergebnis zu bewerten ist. Einfach beim Ersttermin um Wiedervorstellung bitten.

Hinweis: Angebote und Erreichbarkeit von Pflegestützpunkten können regional variieren. Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Orientierungshilfe, kein Rechtsrat. Für individuelle und rechtsverbindliche Beratung: Pflegestützpunkt vor Ort, Pflegekasse, VdK (vdk.de) oder SoVD (sovd.de). Stand: März 2026.

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