Transfer vom Bett in den Rollstuhl – Anleitung
Sicher, rückenschonend und aktivierend: So gelingt der Transfer ohne Sturz und ohne Rückenschaden.
Was ist ein Transfer in der Pflege?
Ein Transfer ist die kontrollierte Überleitung eines pflegebedürftigen Menschen von einer Sitz-/Liegegelegenheit auf eine andere – z. B. vom Bett in den Rollstuhl, vom Rollstuhl auf die Toilette oder vom Sessel in den Rollator-Stand.
Der Transfer ist eine der häufigsten und zugleich risikoreichsten Pflegehandlungen: Sturzgefahr für den Pflegebedürftigen und Rückenbelastung für die Pflegekraft. Kinästhetische Prinzipien und korrekte Körpermechanik sind daher essenziell.
Merke: Ein guter Transfer ist kein „Heben“, sondern eine unterstützte Bewegung – die Pflegekraft leitet, der Pflegebedürftige bewegt sich mit.
Typische Fehler beim Transfer
Der Transfer vom Bett in den Rollstuhl geht oft schief – mit Folgen für beide Seiten:
- Pflegekraft hebt mit dem Rücken – Bandscheibenvorfall-Risiko
- Rollstuhl nicht fixiert – rollt weg, Sturz des Pflegebedürftigen
- Bettbremse nicht angezogen – Bett rollt in entgegengesetzte Richtung
- Zu schnelles Aufstehen – orthostatische Hypotonie, Schwindel, Sturz
- Fester Griff am Arm – Hämatome, Hautrisse (Altershaut!), Schmerzen
- Keine Kommunikation – Pflegebedürftiger weiß nicht, was passiert
⚠️ Fakt: Rückenbeschwerden sind der häufigste Grund für Krankmeldungen in Pflegeberufen. Ein großer Teil entsteht durch fehlerhafte Transfer-Techniken – vermeidbar durch korrekte Körpermechanik und Hilfsmittel.
Praxis: Transfer bei Hemiplegie
Frau B., 71 Jahre, Pflegegrad 3, linksseitige Hemiplegie nach Schlaganfall. Pflegekraft Herr M. stellt den Rollstuhl auf die betroffene (linke) Seite des Bettes – damit Frau B. über die stärkere rechte Seite transferiert. Frau B. stützt sich mit dem rechten Arm auf die Matratze, Herr M. gibt einen sanften Impuls am Becken und leitet die Drehung ein. Frau B. steht kurz (3 Sekunden), dreht sich und setzt sich kontrolliert in den Rollstuhl. Herr M. hat keine schwere Last getragen – er hat Frau B.s eigene Bewegung genutzt.
➔ Fazit: Rollstuhl auf der betroffenen Seite (Transfer über die gesunde Seite), Beckenimpuls statt Heben, Nutzung der Restmobilität.
Transfer Bett → Rollstuhl in 7 Schritten
Rollstuhl im 30°-Winkel neben das Bett stellen. Bremsen am Rollstuhl UND am Bett feststellen. Fußstützen hochklappen. Betthöhe auf Rollstuhl-Sitzhöhe anpassen (oder leicht höher).
Ablauf erklären: „Wir setzen Sie jetzt an die Bettkante, dann stehen wir kurz auf und Sie setzen sich in den Rollstuhl.“ Schuhe mit fester Sohle anziehen – keine Socken auf glattem Boden!
Pflegebedürftigen auf die Seite drehen (zum Rollstuhl hin). Beine über die Bettkante gleiten lassen, gleichzeitig den Oberkörper aufrichten. Kreislauf prüfen: 30 Sekunden sitzen lassen, Schwindel?
Füße hüftbreit auf den Boden, leicht nach hinten versetzt (unter das Knie). Pflegebedürftiger legt Hände auf Ihre Schultern (NICHT um den Hals). Sie greifen am Becken (Hosenbund/Gürtelverlauf) – niemals unter den Achseln!
Kommando: „Auf drei stehen wir gemeinsam auf – eins, zwei, drei.“ Pflegebedürftiger beugt den Oberkörper nach vorne (Schwerpunkt über die Füße), Sie geben einen Impuls am Becken nach vorne-oben. Stabil stehen, Gleichgewicht finden.
Kleine Schritte – Pflegebedürftiger dreht sich, bis der Rollstuhl direkt hinter ihm ist. Kniekehlen berühren die Sitzfläche. Langsam kontrolliert hinsetzen – Sie stützen am Becken, der Pflegebedürftige greift die Armlehnen.
Pflegebedürftigen tief in den Rollstuhl schieben (Gesäß bis zur Rückenlehne). Fußstützen herunterklappen, Füße positionieren. Sitzposition kontrollieren – aufrecht, stabil, bequem. Ggf. Sicherheitsgurt.
Hilfsmittel für den Transfer
Rutschbrett (Transferbrett)
Brücke zwischen Bett und Rollstuhl – Pflegebedürftiger gleitet sitzend hinüber. Ideal bei Paraplegie oder starker Beinschwäche ohne Stehfähigkeit.
Transfergürtel
Breiter Gürtel um die Hüfte des Pflegebedürftigen – gibt der Pflegekraft sicheren Halt am Becken. Reduiziert das Greifen an Kleidung oder Armen.
Drehscheibe
Runde Plattform auf dem Boden – Pflegebedürftiger stellt sich darauf und dreht sich mit minimalem Kraftaufwand. Ideal bei eingeschränkter Drehfähigkeit.
Patientenlifter (Deckenlifter)
Bei vollständig immobilen Menschen. Tragegurt wird unter den Pflegebedürftigen gelegt, Lifter hebt und schwenkt zum Rollstuhl. Als Pflegehilfsmittel verordnungsfähig.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bremsen an Bett UND Rollstuhl feststellen – Sturzursache Nr. 1
- Rollstuhl im 30°-Winkel – ermöglicht kurzen Drehweg
- Am Becken greifen, nie unter den Achseln – Schultergelenkrisiko
- Vorbeugung statt Heben – Schwerpunkt über die Füße bringen
- Kommando zählen – „Auf drei stehen wir auf“ → synchrone Bewegung
- Schuhe mit fester Sohle – keine Socken, keine Schlappen
- Rückenschonend arbeiten – aus den Beinen, nicht aus dem Rücken
Wenn Sie sich nur einen Gedanken merken:
Merksatz: Ein Transfer ist keine Kraftsache – er ist eine Technik. Wer richtig anleitet, bewegt 90 kg mit einem Finger-Impuls am Becken.
Häufig gestellte Fragen zum Transfer
Auf welche Seite stelle ich den Rollstuhl bei Hemiplegie?
Auf die betroffene (gelähmte) Seite. So transferiert der Pflegebedürftige über seine stärkere, gesunde Seite – er kann sich mit dem gesunden Arm abstützen und das gesunde Bein aktiv belasten.
Was tun, wenn der Pflegebedürftige nicht stehen kann?
Alternativen: Rutschbrett (sitzender Transfer), Patientenlifter (vollständige Übernahme) oder Zweipersonentransfer. Keinesfalls alleine versuchen, einen Menschen ohne Stehfähigkeit hochzuziehen – Verletzungsgefahr für beide Seiten.
Darf ich am Arm ziehen?
Nein! Zug am Arm kann Schultergelenksluxation, Hämatome und Hautrisse (bei Altershaut) verursachen. Immer am Becken (Hosenbund, Transfergürtel) greifen – dort liegt der Körperschwerpunkt.
Wie verhindere ich eigene Rückenprobleme?
Breiter Stand, Knie leicht gebeugt, Rücken gerade – Kraft aus den Beinen. Kinästhetik-Prinzipien anwenden: Führen statt Heben, Schwerkraft nutzen, kleine Schritte. Transfergürtel und Hilfsmittel einsetzen. Bei schweren Pflegebedürftigen immer zu zweit arbeiten.
Testen Sie Ihr Wissen
Auflösung anzeigen
Richtige Antwort: B) Am Becken (Hosenbund/Transfergürtel)
Das Becken ist der Körperschwerpunkt. Greifen Sie dort, kontrollieren Sie die gesamte Bewegung. Griff unter den Achseln riskiert Schultergelenksluxation – Griff am Arm verursacht Hämatome bei dünner Altershaut.
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