Spurenelemente – Kleine Mengen, große Wirkung
Spurenelemente sind anorganische Nährstoffe, die der Körper nur in geringen Mengen benötigt – aber ohne sie funktioniert kein Stoffwechsel. In der Pflege spielen Eisen-, Zink- und Jodmangel eine wichtige Rolle bei Wundheilung, Immunabwehr und Schilddrüsenfunktion.
Was sind Spurenelemente?
Spurenelemente sind anorganische Mineralstoffe, die im Körper in Konzentrationen von weniger als 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht vorkommen (Ausnahme: Eisen mit ca. 60 mg/kg). Sie werden von den Mengenelementen (Calcium, Kalium, Natrium, Magnesium, Phosphor, Chlorid, Schwefel) abgegrenzt, die in höheren Konzentrationen benötigt werden.
Trotz der geringen Mengen sind Spurenelemente lebensnotwendig: Sie sind Bestandteil von Enzymen, Hormonen und Proteinen und katalysieren zahllose Stoffwechselreaktionen. Ein Mangel kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Gleichzeitig können Überdosierungen toxisch wirken – die Grenze zwischen optimal und schädlich ist bei Spurenelementen oft schmal.
Merksatz: Spurenelemente werden in essenzielle (lebensnotwendig, müssen über die Nahrung aufgenommen werden) und nicht-essenzielle eingeteilt. Die DGE gibt für essenzielle Spurenelemente konkrete Zufuhrempfehlungen an.
Die wichtigsten Spurenelemente im Überblick
| Spurenelement | Funktion | Tagesbedarf (Erwachsene) | Wichtige Quellen |
|---|---|---|---|
| Eisen | Sauerstofftransport (Hämoglobin), Energiestoffwechsel, Immunfunktion | 10 mg (Männer), 15 mg (Frauen bis Menopause) | Leber, rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Spinat |
| Zink | Wundheilung, Immunabwehr, Zellwachstum, Geschmackssinn | 7–10 mg (abhängig von Phytatzufuhr) | Fleisch, Käse, Haferflocken, Nüsse, Kürbiskerne |
| Jod | Schilddrüsenhormone (T3, T4), Stoffwechselregulation | 200 µg | Jodiertes Speisesalz, Seefisch, Milchprodukte, Algen |
| Selen | Antioxidativer Schutz (Glutathionperoxidase), Schilddrüse, Immunsystem | 60–70 µg | Paranüsse, Fisch, Eier, Getreide (bodenabhängig) |
| Kupfer | Eisenstoffwechsel, Bindegewebsbildung, antioxidativ | 1,0–1,5 mg | Leber, Schalentiere, Nüsse, Hülsenfrüchte, Kakao |
| Mangan | Knochenbildung, Kohlenhydratstoffwechsel, antioxidativ | 2–5 mg | Vollkorn, Nüsse, grünes Blattgemüse, Tee |
| Chrom | Glukosestoffwechsel (Insulinsensitivität) | 30–100 µg (Schätzwert) | Fleisch, Vollkorn, Brokkoli, Traubensaft |
| Molybdän | Enzymkofaktor (Harnsäurestoffwechsel) | 50–100 µg | Hülsenfrüchte, Getreide, Innereien |
| Fluorid | Härtung Zahnschmelz, Knochenstruktur | 3,1–3,8 mg | Trinkwasser, Schwarztee, Fisch, fluoridiertes Salz |
| Cobalt | Bestandteil von Vitamin B12 (Cobalamin) | über Vitamin B12-Zufuhr (4 µg) | Fleisch, Fisch, Milch, Eier |
Eisen – Das wichtigste Spurenelement in der Pflege
Eisenmangel ist der häufigste Nährstoffmangel weltweit und besonders bei älteren, pflegebedürftigen Menschen verbreitet. Eisen ist zentraler Bestandteil des Hämoglobins (Sauerstofftransport im Blut) und des Myoglobins (Sauerstoffspeicher im Muskel).
Häm-Eisen (tierisch)
- Hohe Bioverfügbarkeit (15–35 %)
- In Fleisch, Fisch, Innereien (besonders Leber)
- Aufnahme wenig beeinflusst durch andere Nahrungsbestandteile
Nicht-Häm-Eisen (pflanzlich)
- Geringere Bioverfügbarkeit (2–20 %)
- In Hülsenfrüchten, Vollkorn, Spinat, Tofu
- Aufnahme verbessert durch Vitamin C (z. B. Orangensaft zum Essen)
- Aufnahme gehemmt durch Phytat, Tannine (Tee, Kaffee), Calcium
Zeichen eines Eisenmangels
- Müdigkeit und Leistungsminderung – häufigstes Frühzeichen
- Blass-gelbliche Haut und Schleimhäute – besonders Augenlider und Mundschleimhaut
- Brüchige Nägel und Haarausfall
- Mundwinkelrhagaden (eingerissene Mundwinkel)
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Erhöhte Infektanfälligkeit
Pflegetipp Eisenaufnahme: Geben Sie zum pflanzlichen Eisens (z. B. Linsensuppe) ein Glas Orangensaft oder etwas Zitronensaft – das Vitamin C erhöht die Eisenresorption um das 2–4-fache. Kaffee und Schwarztee sollten nicht zum Essen getrunken werden, sondern mit mindestens 1 Stunde Abstand.
Zink – Schlüssel zur Wundheilung
Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt eine zentrale Rolle bei der Wundheilung, der Immunabwehr und der Zellneubildung. In der Pflege ist Zinkmangel besonders bei Patienten mit chronischen Wunden (z. B. Dekubitus, Ulcus cruris) relevant.
- Wundheilung – Zink fördert die Kollagensynthese und Zellteilung; Mangel verzögert die Wundheilung signifikant
- Immunfunktion – Zink ist essenziell für T-Zellen und natürliche Killerzellen
- Geschmackssinn – Zinkmangel führt zu Geschmacksstörungen (Dysgeusie), was die Nahrungsaufnahme weiter reduziert
- Hautgesundheit – Zink ist Bestandteil von Wundsalben (z. B. Zinksalbe zur Hautpflege)
Klinische Relevanz: Die EPUAP/NPIAP-Leitlinie (2019) empfiehlt bei Dekubitus eine ergänzende Zinkzufuhr, wenn ein Mangel nachgewiesen oder wahrscheinlich ist. Typische therapeutische Dosis: 15–30 mg Zink/Tag. Cave: Zu viel Zink (> 40 mg/Tag) hemmt die Kupferaufnahme.
Jod – Motor des Stoffwechsels
Jod ist ein essenzieller Baustein der Schilddrüsenhormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin), die den gesamten Energiestoffwechsel steuern. Deutschland gilt als Jodmangelgebiet – ohne Verwendung von jodiertem Speisesalz ist die Versorgung häufig unzureichend.
- Hypothyreose bei Jodmangel – Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung
- Struma (Kropf) – vergrößerte Schilddrüse als Kompensationsversuch
- Besonders im Alter: Schilddrüsenunterfunktion kann als Demenz fehldiagnostiziert werden
- Regelmäßiger Seefisch (1–2×/Woche) und jodiertes Salz empfohlen
Häufige Fragen zu Spurenelementen
Wann sollte man Spurenelemente supplementieren?
Eine Supplementation ist sinnvoll bei nachgewiesenem Mangel (Blutuntersuchung), bei erhöhtem Bedarf (z. B. chronische Wunden, Infektionserkrankungen) oder bei unzureichender oraler Nahrungsaufnahme. Eine pauschale Supplementation ohne Indikation wird nicht empfohlen – insbesondere bei Eisen kann eine Überdosierung schädlich sein (Hämochromatose-Risiko).
Welches Spurenelement fehlt am häufigsten?
Eisen ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel. In Deutschland sind zudem Jod und Selen häufig im unteren Referenzbereich, da die Böden in Mitteleuropa selenarm sind und viele Menschen zu wenig jodiertes Salz verwenden.
Können Spurenelemente überdosiert werden?
Ja – bei Spurenelementen ist die Grenze zwischen Bedarf und Toxizität oft schmal. Beispiel: Selen ist in der empfohlenen Dosis (60–70 µg) essenziell, ab ca. 400 µg/Tag aber toxisch (Selenose mit Haarausfall, Nagelveränderungen, neurologischen Symptomen). Nahrungsergänzungsmittel daher nur nach ärztlicher Rücksprache.
Warum ist Zink für die Wundheilung so wichtig?
Zink ist an der Kollagensynthese, Zellteilung und Immunfunktion beteiligt – drei Prozesse, die für die Wundheilung essenziell sind. Studien zeigen, dass Patienten mit chronischen Wunden häufig niedrige Zinkwerte haben. Die EPUAP/NPIAP-Leitlinie empfiehlt eine Zinksupplementation bei Dekubituspatienten mit nachgewiesenem oder vermutetem Mangel.
Was ist der Unterschied zwischen Spuren- und Mengenelementen?
Die Einteilung erfolgt nach der Konzentration im Körper: Mengenelemente (Calcium, Kalium, Natrium etc.) kommen in Mengen von > 50 mg/kg Körpergewicht vor, Spurenelemente in < 50 mg/kg (Ausnahme Eisen). Beide sind essenziell – der Unterschied liegt nur in der benötigten Menge, nicht in der Wichtigkeit.
Quellenangaben
- DGE: Referenzwerte Nährstoffzufuhr – Mineralstoffe und Spurenelemente
- EPUAP/NPIAP/PPPIA – Clinical Practice Guideline: Nutrition & Pressure Injuries, 2019
- WHO: Worldwide prevalence of anaemia 1993–2005. WHO Global Database on Anaemia, 2008.
- Haase H, Rink L: The immune system and the impact of zinc during aging. Immun Ageing 2009;6:9.
- DNQP – Expertenstandard Ernährungsmanagement, aktuelle Fassung.
- Biesalski HK et al.: Ernährungsmedizin. 5. Auflage, Thieme 2017.
Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Ernährungsberatung oder ärztliche Diagnostik. Spurenelemente sollten nur nach Blutuntersuchung und ärztlicher Rücksprache supplementiert werden. Stand: April 2026.
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Richtige Antwort: C) Zink
Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt eine zentrale Rolle bei Wundheilung, Immunabwehr und Zellneubildung. Eisen (A) ist primär für den Sauerstofftransport zuständig. Jod (B) ist Baustein der Schilddrüsenhormone. Selen (D) dient dem antioxidativen Schutz.
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