Schutzkleidung in der Pflege – PSA richtig anlegen und ablegen
Die korrekte Reihenfolge beim An- und Ablegen persönlicher Schutzausrüstung verhindert Kontaminationen und schützt Pflegekräfte wie Patienten gleichermaßen.
Was ist PSA in der Pflege?
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) umfasst alle Ausrüstungsgegenstände, die Pflegekräfte vor biologischen, chemischen oder physikalischen Gefährdungen schützen. Dazu zählen Einmalhandschuhe, Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz (MNS), FFP-Masken und Schutzbrillen.
Die Bereitstellung ist gemäß Biostoffverordnung (BioStoffV) und TRBA 250 (Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe) Pflicht des Arbeitgebers. Die korrekte Anwendung liegt in der Verantwortung der Pflegekraft.
Typische Fehlerquellen
- Falsche Ablegereihenfolge – Beim Ablegen kontaminierter PSA wird die größte Gefahr der Selbstkontamination übersehen
- Handschuhe ersetzen keine Desinfektion – Mikroperforationen und Kontamination beim Ausziehen werden ignoriert
- „Nur kurz“-Mentalität – PSA wird bei kurzen Tätigkeiten weggelassen, obwohl Kontaminationsrisiko besteht
- Wiederverwendung von Einmalprodukten – Handschuhe oder Kittel werden aus Zeitdruck erneut getragen
- Falscher MNS-Sitz – Maske sitzt unter der Nase oder wird am Hals getragen
Praxisbeispiel
Pflegerin Frau F. (38 Jahre) betritt das Isolierzimmer von Herrn B. (79 J., Pflegegrad 3, MRSA-positiv). Sie legt die PSA in korrekter Reihenfolge an: Schutzkittel → Mund-Nasen-Schutz → Schutzbrille → Handschuhe. Die Bündchen der Handschuhe überlappen die Kittelärmel.
Nach der Versorgung ablegt sie in umgekehrter Reihenfolge: Handschuhe → Schutzbrille → Schutzkittel → Mund-Nasen-Schutz. Zwischen jedem Schritt desinfiziert sie die Hände. Die kontaminierte Ausrüstung wird unmittelbar im Zimmer entsorgt.
Korrekte Durchführung dokumentiert. MRSA-Hygieneplan eingehalten. Abschlussdesinfektion der Hände außerhalb des Zimmers.
An- und Ablegereihenfolge der PSA
Anlegen (von innen nach außen)
Kittel anlegen, Rücken vollständig bedecken, Bänder am Rücken schließen.
Maske über Nase und Mund, Nasenbügel anpassen. Dichtigkeit prüfen (kein Luftstrom an den Seiten).
Bei Spritzgefahr: Schutzbrille über der Maske positionieren, fester Sitz.
Passende Größe wählen. Bündchen über die Ärmelbündchen des Kittels ziehen.
Ablegen (am stärksten kontaminiert zuerst)
„Über-die-Hand-streifen“-Technik – Innenseite nach außen. Sofort entsorgen. Hände desinfizieren.
Von hinten anfassen (Bügel), nicht die Frontfläche berühren. Hände desinfizieren.
Bänder lösen, Kittel von den Schultern nach vorn abrollen (kontaminierte Seite innen). Hände desinfizieren.
Nur an den Bändern anfassen, von hinten nach vorn abnehmen. Entsorgen. Abschluss-Händedesinfektion.
Kritisch: Zwischen jedem Schritt beim Ablegen Händedesinfektion durchführen! Die Selbstkontamination beim Ablegen ist das größte Risiko.
7 Merkpunkte zur Schutzkleidung
- Reihenfolge einhalten – Anlegen von innen nach außen, Ablegen von außen nach innen
- Handschuhe ≠ Desinfektion – Vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen immer desinfizieren
- Einmalprodukte nicht wiederverwenden – Handschuhe und Kittel nach jeder Versorgung entsorgen
- Passende Größe wählen – Zu große Handschuhe mindern die Tastfähigkeit, zu kleine reißen
- PSA im Zimmer entsorgen – Kontaminierte Ausrüstung nicht in den Flur tragen
- MNS korrekt tragen – Nase und Mund vollständig bedeckt, Nasenbügel angepasst
- Arbeitgeber stellt PSA – Die Bereitstellung ist gesetzliche Pflicht (BioStoffV, ArbSchG)
Merksatz: Anlegen schützt den Patienten, korrektes Ablegen schützt die Pflegekraft. Die größte Gefahr lauert nicht beim Anlegen – sondern beim Ablegen.
Häufige Fragen
Muss ich bei jedem Patientenkontakt Handschuhe tragen?
Nein. Handschuhe sind bei zu erwartendem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Schleimhäuten, nicht intakter Haut oder kontaminierten Flächen erforderlich. Für die Vitalzeichenkontrolle an intakter Haut reicht die Händedesinfektion.
Wann brauche ich eine FFP2-Maske statt eines MNS?
Bei aerogen übertragbaren Erkrankungen (z. B. Tuberkulose, Masern) und bei bestätigten oder vermuteten COVID-19-Fällen gemäß aktuellem KRINKO-/RKI-Standard. Der MNS schützt vor Tröpfchen, die FFP2-Maske zusätzlich vor Aerosolen.
Darf ich mit Handschuhen den Flur betreten?
Nein. Kontaminierte Handschuhe dürfen den patientennahen Bereich nicht verlassen. Vor dem Verlassen des Zimmers: Handschuhe ausziehen, Hände desinfizieren.
Was tun bei Latexallergie?
Latexfreie Alternativen (Nitril, Vinyl) verwenden. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, geeignete Handschuhe bereitzustellen. Eine Latexallergie muss dem Betriebsarzt gemeldet werden (Berufskrankheit BK 5101).
Wie oft muss ich die PSA wechseln?
Einmalhandschuhe und -kittel nach jedem Patienten. MNS spätestens nach Durchfeuchtung oder Kontamination. FFP2-Masken gemäß Herstellerangaben (Tragedauer beachten). Schutzbrillen werden nach Gebrauch desinfiziert und können wiederverwendet werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- RKI / KRINKO – Empfehlung zur Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung
- DGUV – Regel 112-195: Benutzung von Schutzhandschuhen
- TRBA 250 – Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege (BAuA)
- gesetze-im-internet.de – Biostoffverordnung (BioStoffV), Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
Antwort anzeigen
Richtig: B) – Handschuhe zuerst (am stärksten kontaminiert), dann Brille, Kittel und zuletzt die Maske. Zwischen jedem Schritt Händedesinfektion durchführen.
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