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RR und die Blutdruckmessung

Es ist neben der Puls und Blutzuckermessung aus der Pflege als Monitoring nicht mehr wegzudenken, die Blutdruckmessung. Dennoch wundern sich der ein oder andere, warum es mit RR abgekürzt wird.
Korotkov Korotkow
Die Antwort darauf ist eigentlich ziemlich simple, denn RR steht für „nach Riva-Rocci“. Wobei das Wort „nach“ schon lange nicht mehr Bestandteil der Benennung ist, informiert es nach welcher Methode die Blutdruckmessung erfolgt. Doch Riva-Rocci, zu dessen Ehren die Abkürzung beibehalten wurde, hat eigentlich nicht mehr viel mit der heutigen Messmethode zu tun.
Aber beginnen wir ein wenig früher, um etwas Klarheit zu schaffen. Dass in unseren Adern der rote Saft mit einem gewissen Druck fließt, lässt sich schon aus Schriften der Ägypter entnehmen, sowie auch, dass man diesen durch Bewegung bzw. Anstrengung beeinflussen kann. In den medizinischen Schriften des Hippokrates von Kos wurde in diesem Zusammenhang die Säftelehre verfasst, bei dem das Blut eine der vier Säfte neben Gelbgalle, Schwarzgalle und Weißschleim darstellte und welche sich bis ins 19te Jahrhundert anhielt (Heute wird vermutet, dass diese Lehre von den Ägyptern sogar übernommen wurde).
 

Der Beginn der modernen Blutdruckmessung

 
Erst 1713 gelang es Stephan Hales eine Methode zu entwickeln, diesen Blutdruck zu messen, indem er ein Glasrohr in die Halsschlagader eines Pferdes einführte und das Blut ca. 2,40 m darin hochschoss. Auch erkannte er, dass die Abhängigkeit zur Atmung gegeben war. Das diese Methode nicht wirklich massentauglich war, dürfte jedem einleuchten und wurde nicht medizinisch verbreitet, auch wenn Berichte über einzelne Messungen am Menschen berichten. Rene Theophile Hyacinthe Laennec führte um 1819 das Stethoskop als diagnostische Möglichkeit ein und setzte damit medizinisch und diagnostisch neue Maßstäbe. Durch das Fühlen und Hören des Pulses, der Atmung und des Herzschlages war es nun möglich neue Einschätzungen über den Gesundheitszustand eines Menschen zu machen und die Säftelehre begann den Erkenntnissen durch William Harvey über den Blutkreislauf zu weichen. Doch es benötigte noch einer Komponente, um die Blutdruckmessung dahinzuführen, wo sie sich heute befindet. 1821 wurde das erste Quecksilbermanometer durch Pouseuille entwickelt, was den Physiologen Karl Vierordt 1854 zu seiner Erfindung des „Sphygmograph“ führte (Das erste EKG mit Ableitung, welches in die A. radialis eingeführt wurde und mit einem Holzgestell am Unterarm). Dieser wurde in den kommenden Jahrzehnten durch verschiedenen Ärzte weiterentwickelt und verbreitete sich rasant.
 
Es war eine Zeit des Umbruches in der Medizin und die Erkenntnisse sowie die Ablösung von der Katholischen Kirche, ermöglichte den Ärzten, den Körper des Menschen immer weiter und besser zu erforschen. 1896 machte der 33 Jahre alte Pathologe Scipione Riva-Rocci von sich reden, als er auf einem italienischen Kongress für Innere Medizin das „indirekte unblutige Verfahren der Blutdruckbestimmung“ vorstellte. Durch eine pneumatische Armmanschette, welche mit einem Quecksilbermanometer verbunden war, konnte nun das erste Mal effizient der Blutdruck erfasst werden.
 
Diese fand rasant ab 1901 Verbreitung durch Harvey Williams Cushing (gilt als größter Neurochirurg des 20ten Jahrhunderts, entdeckte das Cushing-Syndrom) und wurde 1905 durch Nikolai Sergejewitsch Korotkow durch das Stethoskop ergänzt. Dieser entdeckte die heute bekannten Korotkow Geräusche, welche heute noch für die Bestimmung der Systole und Diastole verwendet werden. Heinrich von Recklinghausen standardisierte einige Jahre später die Mindestbreite der Manschette auf 10-14 cm, um eine allgemeine Genauigkeit einzuführen.
Weil Riva-Rocci als Erster eine unblutige, aber genaue Methode fand, um den Blutdruck zu messen und damit für sehr viele medizinische Durchbrüche sorgte, wird ihm zu Ehren bis heute „RR“ für die Blutdruckmessung verwendet.
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