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Behandlungspflege

Port-Pflege – Versorgung, Umgang und Komplikationsmanagement

Ein Port ermöglicht sicheren venösen Zugang bei Langzeittherapien. Korrekte Pflege schützt vor Infektionen und verlängert die Nutzungsdauer.

Aseptisch
Streng sterile Punktion
4–6 Wo.
Spülintervall (nicht benutzter Port)
Huber
Spezialnadel erforderlich

Was ist ein Ports​ystem?

Ein Port (auch: portimplantiertes Kathetersystem, TIVAD – Totally Implantable Venous Access Device) ist ein dauerhaft implantiertes, subkutanes Kathetersystem. Es besteht aus einer Portkammer (Reservoir) mit Silikonmembran und einem Katheter, der in eine zentrale Vene (meist V. subclavia oder V. jugularis interna) mündet.

Ports kommen vor allem bei Chemotherapie, Langzeitantibiotikatherapie, parenteraler Ernährung oder wiederholter Bluttransfusion zum Einsatz. Die Nutzungsdauer beträgt bei sachgerechter Pflege viele Jahre.

Merksatz: Ein Port darf nur mit einer speziellen Huber-Nadel (nicht stanzende Nadel) punktiert werden. Normale Kanülen zerstören die Silikonmembran!

Porttypen im Überblick

Porttyp Merkmale Indikation
Einkammerport Eine Portkammer, ein Katheter Standard bei Chemotherapie, parenteraler Ernährung
Doppelkammerport Zwei getrennte Kammern/Katheter Inkompatible Infusionen gleichzeitig
Power-Port Druckresistent (bis 5 ml/s) Kontrastmittelgabe bei CT/MRT
Peritonealport Katheter in Bauchhöhle Intraperitoneale Chemotherapie

Implantation und Nachsorge

Die Portimplantation erfolgt üblicherweise unter Lokalanästhesie in einem kleinen chirurgischen Eingriff (ca. 30–45 Minuten). Der Chirurg legt eine subkutane Tasche an – meist unterhalb des Schlüsselbeins – und führt den Katheter über die V. subclavia oder V. jugularis interna bis in die V. cava superior vor. Die korrekte Katheterlage wird intraoperativ röntgenologisch kontrolliert.

In den ersten 5–7 Tagen nach Implantation sollte der Port möglichst nicht punktiert werden, um die Wundheilung nicht zu stören. Die Erstpunktion durch eine Huber-Nadel erfolgt nach ärztlicher Freigabe. Zeichen für Komplikationen in der Frühphase sind Hämatome, Wundinfektionen, Pneumothorax (selten) oder Katheterfehllage. Der Patient erhält einen Portpass mit Angaben zu Porttyp, Implantationsdatum und Katheterspezifikation.

Portpunktion – Schritt für Schritt

Die Portpunktion ist eine ärztlich delegierte Tätigkeit. Sie setzt eine spezielle Schulung und schriftliche ärztliche Delegation voraus.

1
Vorbereitung

Materialien bereitlegen: Huber-Nadel (passende Länge!), sterile Handschuhe, Desinfektionsmittel, sterile Kompressen, Pflaster/Folie, Spüllösung (NaCl 0,9 %), Abwurfbehälter.

2
Hautdesinfektion

Portkammer lokalisieren (Tasten!). Sprüh-Wisch-Sprüh-Desinfektion mit alkoholischem Hautdesinfektionsmittel. Einwirkzeit einhalten (mind. 30 Sekunden).

3
Sterile Punktion

Portkammer mit Daumen und Zeigefinger fixieren. Huber-Nadel senkrecht durch die Silikonmembran einführen, bis spürbarer „Klick“ am Kammerboden.

4
Lagekontrolle

Blut aspirieren (Rückfluss?) → Spülen mit 10–20 ml NaCl 0,9 % (Puls-Spül-Technik). Widerstandsfreiheit prüfen.

5
Fixierung & Verband

Huber-Nadel mit sterilem Pflaster oder transparentem Folienverband fixieren. Einstichstelle sichtbar halten. Verbandwechsel alle 5–7 Tage (bei transparenter Folie) oder bei Verschmutzung.

CAVE: Niemals Gewalt anwenden! Wenn sich der Port nicht aspirieren lässt oder die Spülung auf Widerstand trifft: STOPP. Ärztliche Rücksprache – mögliche Katheterokklusion oder Fehllage!

Laufende Port-Pflege & Spülung

In Benutzung

  • Verbandwechsel: alle 5–7 Tage (Folienverband) oder 48 h (Gazekompressen)
  • Huber-Nadel maximal 7 Tage belassen
  • Vor und nach jeder Infusion/Blutentnahme: 10–20 ml NaCl 0,9 % spülen
  • Puls-Spül-Technik (10 ml Spr.: Spülen-Pausieren-Spülen)
  • Bei intermittierender Nutzung: Heparin-Block nach Vorgabe

Nicht in Benutzung

  • Spülung alle 4–6 Wochen mit NaCl 0,9 % oder Heparin-Lösung (nach Herstellerangabe)
  • Vor dem Entfernen der Nadel: Spülen und unter positivem Druck entfernen
  • Portpass (Portausweis) kontrollieren: Typ, Implantationsdatum, nächste Spülung
  • Patient informieren: Ärztlicher Kontakt bei Rötung, Schwellung, Fieber

Puls-Spül-Technik: Mindestens 10-ml-Spritzen verwenden (kleinere erzeugen zu hohen Druck und können den Katheter beschädigen). Spülen in kurzen Stößen: 2–3 ml → Pause → 2–3 ml → Pause → Rest. Dies erzeugt Turbulenzen und reinigt die Portkammer effektiver.

Komplikationen erkennen und handeln

🔴

Portinfektion

Rötung, Überwärmung, Schwellung über Portkammer. Fieber, Schüttelfrost. Maßnahme: Arzt informieren, Blutkultur (peripher + Port), ggf. Port explantieren. Risikofaktoren: immunsupprimierte Patienten, häufige Punktionen, mangelnde Hygiene. Eine Portinfektion tritt bei etwa 3–5 % der implantierten Ports auf.

Katheterokklusion

Keine Aspiration möglich, Widerstand beim Spülen. Ursachen: Fibrinauflagerung, Medikamentenausfällung, Katheterknick (Pinch-off-Syndrom). Nie mit Gewalt spülen! Ärztliche Klärung, ggf. Urokinase-Lyse oder röntgenologische Lagekontrolle. Die regelmäßige Puls-Spül-Technik ist die beste Prävention.

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Paravasat

Infusion läuft neben das Gefäß: Schwellung, Schmerz, Gewebeverfärbung. Sofort stoppen! Bildgebung (Katheterintegrität?). Besonders gefährlich bei Zytostatika – vesikante Substanzen wie Doxorubicin oder Vincristin können schwere Gewebenekrosen verursachen.

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Katheterdislokation

Röntgenkontrolle: Katheterspitze nicht mehr korrekt in V. cava superior. Symptome: Infusion läuft nicht, Schmerzen, Schwellung Hals/Arm. Sonderform: Pinch-off-Syndrom – der Katheter wird zwischen Klavikula und erster Rippe komprimiert und kann langfristig brechen. Regelmäßige Röntgenkontrollen bei Verdacht sind essenziell.

Paravasate bei Zytostatika: Sofortmaßnahmen gemäß dem klinikinternen Paravasatprotokoll einleiten! Keine eigenmächtigen Kühl- oder Wärmeanwendungen – das hängt vom Zytostatikum ab (vesikant vs. nicht-vesikant).

Hygienestandard bei der Port-Versorgung

Die Port-Versorgung erfordert ein konsequentes Hygienemanagement gemäß den KRINKO-Empfehlungen zur Prävention von Gefäßkatheter-assoziierten Infektionen. Katheter-assoziierte Blutstrominfektionen (CRBSI) gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen – die konsequente Einhaltung der Hygieneregeln kann das Risiko um bis zu 70 % senken.

Händedesinfektion

Vor und nach jedem Kontakt mit dem Portsystem. Hygienische Händedesinfektion gemäß KRINKO-Empfehlung.

Sterile Handschuhe

Bei Punktion und Verbandwechsel. Non-Touch-Technik für alle Konnektionsstellen.

Konnektionshygiene

Jede Öffnung des Systems: Konnektordesinfektion (Wischdesinfektion mind. 15 Sek.). Geschlossenes Infusionssystem bevorzugen.

Dokumentation

Punktionsdatum, Nadelwechsel, Spülungen, Aspiration erfolgreich ja/nein, Zustand der Einstichstelle dokumentieren.

Häufige Fragen zur Port-Pflege

Dürfen Patienten mit Port duschen oder schwimmen?

Wenn der Port nicht angestochen ist: ja, duschen und baden ist möglich. Bei liegender Huber-Nadel: Verband mit wasserundurchlässigem Pflaster abdecken. Schwimmen (Chlor-/Salzwasser) sollte mit liegendem Port-Zugang vermieden werden.

Wie lange kann ein Port im Körper bleiben?

Bei sachgerechter Pflege oft 5–10 Jahre und länger. Entscheidend ist die regelmäßige Spülung (alle 4–6 Wochen), auch wenn der Port nicht aktiv genutzt wird. Ohne Spülung droht Katheterokklusion durch Fibrinthromben.

Warum dürfen keine normalen Kanülen verwendet werden?

Normale Kanülen (z. B. Butterflys) haben eine stanzende Spitze, die kreisrunde Löcher in die Silikonmembran stanzt. Diese Löcher schließen sich nicht mehr – die Membran wird undicht. Huber-Nadeln haben eine schräg geschliffene, nicht-stanzende Spitze, die das Silikon verdrängt statt es auszustanzen.

Wer darf einen Port punktieren?

Die Portpunktion ist eine ärztliche Tätigkeit, die an Pflegefachkräfte delegiert werden kann (§ 4 PflBG). Voraussetzung: ärztliche Anordnung, nachgewiesene Schulung, Beherrschung der aseptischen Technik. In der ambulanten Pflege: Behandlungspflege LG 1/LG 2.

Kann ein Port auch ambulant versorgt werden?

Ja. Die Portversorgung zählt zur Behandlungspflege und kann über eine ärztliche Verordnung (Muster 12) vom ambulanten Pflegedienst übernommen werden. Die Pflegefachkraft muss nachweislich geschult sein. Die Kosten trägt die Krankenkasse (§ 37 SGB V).

Was ist bei der Blutentnahme über den Port zu beachten?

Bei Blutentnahme über den Port: Zunächst 5–10 ml Blut aspirieren und verwerfen (Verdünnungseffekt durch Spüllösung oder Heparin). Erst danach Blut für die Diagnostik abnehmen. Nach der Entnahme gründlich mit NaCl 0,9 % spülen. Einige Laborwerte (z. B. Gerinnungsparameter) können durch Heparin-Reste verfälscht werden.

Selbsttest
Beim Spülen eines Ports spüren Sie Widerstand. Was tun Sie?
A) Mit mehr Druck nachspülen – das löst sich meistens
B) Sofort stoppen und den Arzt informieren
C) Nadel entfernen, neu punktieren und erneut versuchen
D) Heparin-Lösung instillieren und 30 Minuten warten
Richtig: B) – Bei Widerstand beim Spülen: Sofort stoppen, niemals mit Gewalt spülen! Die Ursache muss ärztlich abgeklärt werden (Katheterokklusion, Knickbildung, Fehllage). Forciertes Spülen kann den Katheter beschädigen oder einen Thrombus in den Kreislauf spülen.

Quellen & weiterführende Informationen

Tim Reinhold – Gründer und Hauptdozent von Weiterbildungen Reinhold
Tim Reinhold Gründer & Hauptdozent

Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Praxisanleiter und Pflegedienstleitung. Gründer von Weiterbildungen Reinhold (Hattingen) seit 2020. Über 1.500 Unterrichtseinheiten Fachqualifizierung in Behandlungspflege, Palliativ Care und Beatmungspflege. Mehr zur Person ›

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