📚 Cluster „Digitalisierung & Innovation“: Dieser Artikel gehört zum Themencluster Digitalisierung in der Pflege. Weitere Artikel: Telemedizin · Robotik in der Pflege · Zukunft der Pflege · Ethik in der Pflege
Pflege-Apps für Angehörige – Die besten digitalen Helfer 2026
Pflegende Angehörige tragen eine enorme Last. Pflege-Apps können den Alltag erleichtern: Medikamenten-Erinnerungen, Pflegetagebuch, Leistungsrechner und digitale Pflegekurse – viele davon kostenlos oder von der Pflegekasse erstattet.
Kategorien von Pflege-Apps
Pflege-Apps lassen sich in verschiedene Funktionsbereiche einteilen. Je nach Pflegesituation sind unterschiedliche Kombinationen sinnvoll:
Medikamenten-Management
Erinnerungen an Einnahmezeiten, Wechselwirkungs-Check, Medikamentenfoto-Funktion. Besonders wichtig bei Diabetes und Polypharmazie.
Pflegetagebuch & Dokumentation
Tägliche Erfassung von Vitalwerten, Ernährung, Mobilität, Stimmung. Erleichtert die Kommunikation mit dem Pflegedienst und dem Arzt.
Leistungs- & Finanzrechner
Berechnung von Pflegegeld, Entlastungsleistung, Kombinationsleistungen. Übersicht über Kassenleistungen.
Pflege-Schulungen
Video-Kurse nach § 45 SGB XI: Transfertechniken, Mundpflege, Sturzprävention. Von der Pflegekasse kostenlos.
Pflegeberatung & Community
Chat mit Pflegeberatern, Austausch mit anderen Angehörigen, Checklisten für Pflegegrad-Antrag und MD-Besuch.
Selbstfürsorge & Burnout-Prävention
Achtsamkeitsübungen, Stressbewältigung, Ruhepausen-Erinnerungen. Burnout bei pflegenden Angehörigen vorbeugen.
DiPA – Erstattungsfähige Pflege-Apps
Seit dem DVPMG (2021) können digitale Pflegeanwendungen (DiPA) von der Pflegekasse erstattet werden. Voraussetzung: Die App ist im DiPA-Verzeichnis des BfArM gelistet.
So funktioniert die Erstattung
Im DiPA-Verzeichnis auf dipa.bfarm.de nach passenden Anwendungen suchen. Die Auswahl wächst laufend.
Formloser Antrag – bei den meisten Kassen auch online möglich. Pflegegrad ab 1 erforderlich. Kein Rezept nötig (anders als bei DiGA!).
Kasse genehmigt – max. 53 €/Monat. App wird freigeschaltet oder Zugangscode zugeschickt. Nutzung läuft meist über 3–12 Monate.
Zusätzlich kann die Pflegekasse Schulungen zur DiPA-Nutzung finanzieren – z. B. wenn Angehörige Hilfe beim Einrichten der App brauchen.
Merksatz: DiPA ≠ DiGA. DiPA (Digitale Pflegeanwendungen) werden über die Pflegekasse erstattet (§ 40a SGB XI, bis 53 €/Monat). DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen) werden über die Krankenkasse erstattet (§ 33a SGB V) und benötigen ein ärztliches Rezept.
Empfehlenswerte Pflege-Apps im Überblick
Die folgende Übersicht zeigt bewährte Apps – von kostenlosen Kassen-Angeboten bis zu DiPA-Anwendungen. Stand: April 2026.
| App / Anbieter | Funktion | Kosten | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Pflege.de | Pflegegrad-Rechner, Leistungsübersicht, Checklisten | Kostenlos | Web-basiert, keine App-Installation nötig. Guter Einstieg für Neulinge |
| AOK Pflegenavigator | Suche nach Pflegediensten, Pflegeheimen, Pflegeberatung | Kostenlos | Für alle – nicht nur AOK-Versicherte. Bewertungen, Qualitätsberichte |
| Medisafe | Medikamenten-Erinnerung, Wechselwirkungs-Check, Familien-Sync | Basis kostenlos, Premium ab 4,99 €/Monat | Sehr intuitiv. Angehörige können Einnahme remote überwachen |
| Careship / Pflegehelden | Vermittlung von Alltagshelfern, Entlastungsleistung abrechnen | Kostenlos (Abrechnung über § 45b) | Direkte Abrechnung mit der Pflegekasse möglich |
| TK-PflegeCoach | Video-Pflegekurse (§ 45 SGB XI), Wissen zu Pflegetechniken | Kostenlos für alle | Themen: Transfer, Lagerung, Ernährung, Kommunikation. Zertifikat. |
| meala / Nui Care | Pflegetagebuch, Vitalwerte, Kommunikation mit Pflegedienst | DiPA – bis 53 €/Monat erstattet | Im DiPA-Verzeichnis gelistet. Automatisierte Pflegeberichte |
Hinweis: App-Angebote ändern sich laufend. Prüfen Sie immer die aktuelle Verfügbarkeit im DiPA-Verzeichnis oder im App Store. Achten Sie auf den Datenschutz: Nur Apps nutzen, die DSGVO-konform sind und Daten in der EU speichern.
Datenschutz bei Pflege-Apps
Pflege-Apps verarbeiten hochsensible Gesundheitsdaten (Art. 9 DSGVO). Bevor Sie eine App nutzen, prüfen Sie diese Kriterien:
Verschlüsselung
Datenübertragung per TLS/SSL. Lokale Daten verschlüsselt gespeichert. Kein Zugriff durch den App-Anbieter auf Klardaten.
Serverstandort EU
Gesundheitsdaten dürfen nur in der EU/EWR gespeichert werden. US-Server (Google Cloud, AWS) nur mit Auftragsverarbeitungsvertrag und EU-Standardklauseln.
Datenlöschung
Sie müssen Ihre Daten jederzeit löschen können (Art. 17 DSGVO „Recht auf Vergessenwerden“). Prüfen Sie die Löschfunktion vor der Registrierung.
Keine Weitergabe an Dritte
Seriöse Apps verkaufen keine Gesundheitsdaten. Lesen Sie die Datenschutzerklärung. DiPA-zertifizierte Apps müssen strenge BfArM-Vorgaben erfüllen.
Tipp: Im Zweifel nur Apps aus dem DiPA-Verzeichnis verwenden. Diese wurden vom BfArM auf Datenschutz, Informationssicherheit und pflegerischen Nutzen geprüft. Alternativ bieten viele Krankenkassen eigene Apps an, die ebenfalls hohen Standards entsprechen.
Praxis-Guide: Die richtige App finden
Mit diesen Fragen finden Sie die passende Pflege-App für Ihre Situation:
| Ihre Situation | Empfohlene App-Kategorie | Beispiel |
|---|---|---|
| Gerade erst Pflegegrad erhalten – was steht mir zu? | Leistungsrechner, Pflegeberatung | Pflege.de, AOK Pflegenavigator |
| Viele Medikamente – Angst vor Verwechslung | Medikamenten-Management | Medisafe, Mediteo |
| Pflegedienst koordinieren, Werte dokumentieren | Pflegetagebuch / DiPA | meala, Nui Care |
| Pflege lernen – Transfer, Lagerung, Mundpflege | Pflege-Schulung (§ 45 SGB XI) | TK-PflegeCoach, curendo |
| Entlastungsleistung nutzen – Helfer finden | Vermittlung / Abrechnung | Careship, Pflegehelden |
| Selbst am Limit – Burnout-Gefahr | Selbstfürsorge, Ruhepausen | Headspace (Achtsamkeit), Pflegetelefon-App |
„Mein Vater hat Pflegegrad 3 und Diabetes. Ich habe Medisafe für die Medikamente eingerichtet – jetzt bekomme ich auf meinem Handy eine Benachrichtigung, wenn er die Insulinspritze vergisst. Außerdem nutze ich den TK-PflegeCoach, um Transfertechniken per Video zu lernen. Die Belastung ist spürbar gesunken.“
→ Kombination aus kostenloser Medikamenten-App und kostenlosem Pflegekurs – kein Antrag nötig.
Barrierefreiheit und Nutzung im Alter
Viele Pflegebedürftige sind über 80 Jahre alt und nicht mit Smartphones aufgewachsen. Für eine erfolgreiche App-Nutzung sind folgende Punkte entscheidend:
- Große Schrift und Kontraste: Apps müssen die Systemschriftgröße respektieren. iOS Dynamic Type und Android-Schriftgröße erhöhen
- Einfache Navigation: Maximal 3 Klicks bis zur Hauptfunktion. Keine verschachtelten Menüs
- Sprachsteuerung: „Siri, erinnere mich an die Tabletten“ – für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik eine große Hilfe
- Offline-Fähigkeit: Nicht überall gibt es WLAN. Wichtige Funktionen (Medikamentenliste, Notfallnummern) müssen offline verfügbar sein
- Einrichtungshilfe: Die ergänzende Unterstützungsleistung nach § 40b SGB XI umfasst auch Hilfe beim Einrichten von DiPA
Barrierefrei bedeutet nicht „einfacher“: Es bedeutet, dass die App für alle Menschen nutzbar ist – auch mit Sehbehinderung (VoiceOver/TalkBack-kompatibel), Hörminderung (Untertitel bei Videos) oder eingeschränkter Motorik (große Touch-Bereiche). DiPA-zertifizierte Apps müssen laut DiPAV Barrierefreiheit nachweisen.
Kostenlose Angebote der Pflegekassen
Bevor Sie eine kostenpflichtige App erwerben, prüfen Sie die kostenlosen Angebote Ihrer Pflege- bzw. Krankenkasse:
- Online-Pflegekurse (§ 45 SGB XI): Barmer, TK, AOK, DAK, IKK bieten eigene Plattformen oder kooperieren mit Anbietern wie curendo oder pflegecampus. Kostenlos – auch für Nicht-Versicherte der jeweiligen Kasse
- Pflegeberatung per Video (§ 7a): Terminvereinbarung über die Kassen-App oder Hotline. Beratung zu Leistungen, Hilfsmitteln, Wohnraumanpassung
- Pflegegrad-Rechner: Fast alle Kassen bieten Online-Rechner zur Selbsteinschätzung des Pflegegrads an
- Pflege-Hotline: Bundesweites Pflegetelefon des BMG: 030 / 20179131 (Mo–Do 9–18 Uhr). Oder direkte Pflegeberatung über die Kassen-App
- Wegweiser-Demenz: wegweiser-demenz.de – Bundesportal mit Expertenforum, lokalen Hilfsangeboten und Downloads
Apps für spezielle Pflegesituationen
Je nach Krankheitsbild und Pflegebedarf empfehlen sich spezialisierte Apps, die über allgemeine Pflege-Apps hinausgehen:
Chronische Erkrankungen
- Diabetes: mySugr, Contour Diabetes App – Blutzucker-Tagebuch mit CGM-Integration. Daten können per Telemedizin an den Diabetologen übermittelt werden
- Hypertonie: BlutdruckDaten, Cora Health – automatische Bluetooth-Übertragung vom Messgerät, Trendanalyse, Arztberichte als PDF
- Herzinsuffizienz: Telemonitoring-Apps der Kassen – Gewicht, Puls, Blutdruck täglich erfassen, automatische Warnung bei Grenzwertüberschreitung
- COPD/Asthma: Kaia COPD, SaniQ – Symptom-Tracking, Atemübungen, Notfallplan
Pflege & Versorgung
- Wundversorgung: Wundmanager-Apps mit Foto-Dokumentation, Flächenberechnung und Heilungsverlauf – ideal für Dekubitus-Dokumentation
- Demenz: DemTect-Apps zur Verlaufskontrolle, Erinnerungs-Apps mit Fotos und Musik für Biografiearbeit, GPS-Tracker-Apps für Hinlauftendenzen
- Ernährung: Ernährungstracker für die Dokumentation bei PEG-Sonde oder Dysphagie – Kalorienaufnahme, Flüssigkeitsbilanz
- Inkontinenz: Blasentagebuch-Apps zur Dokumentation von Miktionsprotokollen für den Urologen
Zukunft der Pflege-Apps – KI und ePA-Integration
Die nächste Generation von Pflege-Apps wird durch Künstliche Intelligenz und die Vernetzung mit der elektronischen Patientenakte (ePA) geprägt sein:
KI-gestützte Pflegeassistenten
Chatbots beantworten Pflegefragen rund um die Uhr: „Wann muss der Verband gewechselt werden?“ – mit KI-Analyse von Wundfotos und Symptombeschreibungen. Erste Pilotprojekte laufen seit 2025.
ePA-Anbindung
Pflege-Apps greifen künftig auf die ePA zu: Medikationsplan automatisch synchronisieren, Arztbriefe einsehen, Pflegeberichte direkt in die ePA schreiben – über das TI-Gateway der gematik.
Prädiktive Analysen
KI erkennt Muster in Vitalwert-Verläufen und warnt frühzeitig vor Verschlechterungen: Sturzrisiko-Scores, Dekompensations-Warnungen, Dehydrations-Hinweise – bevor Symptome sichtbar werden.
Merksatz: Die beste App nützt nichts ohne menschliche Zuwendung. Digitale Helfer können Organisation, Dokumentation und Information verbessern – aber Empathie, Berührung und persönliche Begleitung bleiben durch keine Technologie ersetzbar.
Quellenangaben
- BfArM (2025): DiPA-Verzeichnis – Digitale Pflegeanwendungen. dipa.bfarm.de
- Bundesministerium für Gesundheit (2021): DVPMG – Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz
- Statistisches Bundesamt (2025): Pflegestatistik 2023/24. destatis.de
- Verbraucherzentrale (2024): Pflege-Apps im Test – Datenschutz und Nutzen. verbraucherzentrale.de
- Techniker Krankenkasse (2025): TK-PflegeCoach – Pflegekurse online. tk.de
- BMG (2025): Ratgeber Pflege – Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen. bmg.bund.de
- gematik (2025): ePA für alle – Spezifikation und Zugang für Pflegeeinrichtungen. gematik.de
- Medizinischer Dienst Bund (2025): Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) 2025. md-bund.de
- Bertelsmann Stiftung (2024): #PflegeDigital – Nutzung digitaler Angebote durch pflegende Angehörige. bertelsmann-stiftung.de
- Europäische Kommission (2024): AI Act – Anforderungen an KI in Gesundheits- und Pflegeanwendungen. ec.europa.eu
Häufige Fragen zu Pflege-Apps
Gibt es einen Unterschied zwischen DiPA und gewöhnlichen Pflege-Apps?
Ja. DiPA sind vom BfArM geprüfte Anwendungen mit nachgewiesenem pflegerischen Nutzen. Sie werden von der Pflegekasse erstattet (bis 53 €/Monat). Gewöhnliche Pflege-Apps (z. B. Medisafe, Pflege.de) sind nicht BfArM-gelistet – können trotzdem nützlich sein, müssen aber selbst bezahlt werden.
Brauche ich einen Pflegegrad, um Pflege-Apps zu nutzen?
Für die reine App-Nutzung: Nein. Jeder kann Pflege-Apps herunterladen. Für die Erstattung einer DiPA durch die Pflegekasse benötigen Sie allerdings einen anerkannten Pflegegrad (ab PG 1). Kostenlose Pflegekurse (§ 45 SGB XI) stehen jedoch allen offen – auch ohne Pflegegrad.
Wie sicher sind meine Daten in einer Pflege-App?
DiPA-zertifizierte Apps müssen strenge DSGVO-Vorgaben und die Anforderungen der DiPAV (Datenschutz, Interoperabilität, Informationssicherheit) erfüllen. Bei nicht zertifizierten Apps: Datenschutzerklärung lesen, auf EU-Serverstandort achten, keine Apps nutzen, die Gesundheitsdaten an Werbepartner weitergeben.
Kann ich die DiPA-Erstattung mit anderen Leistungen kombinieren?
Ja. Die 53 €/Monat DiPA-Budget (§ 40a SGB XI) ist ein eigenständiger Leistungsanspruch und wird nicht auf Pflegegeld, Sachleistungen, Entlastungsbetrag oder Hilfsmittelbudget angerechnet.
Mein Angehöriger hat Demenz – welche App hilft?
Für Angehörige: Wegweiser Demenz (Infos, Forum), TK-PflegeCoach (Schulung zu Kommunikation bei Demenz), Medisafe (Medikamentenkontrolle). Für die Person mit Demenz: Apps zur Biografiearbeit mit Fotos und Musik. DiPA im Bereich Alltagsstabilisierung können ebenfalls hilfreich sein.
Kann ich mehrere DiPA gleichzeitig nutzen?
Ja. Das DiPA-Budget von 53 €/Monat kann auf mehrere Anwendungen verteilt werden, solange die Gesamtsumme nicht überschritten wird. Beispiel: Eine DiPA für Pflegetagebuch (30 €) und eine für Medikamenten-Management (20 €). Jede Anwendung muss einzeln bei der Pflegekasse beantragt werden.
Funktionieren Pflege-Apps auch ohne Internet?
Viele Apps bieten einen Offline-Modus für grundlegende Funktionen: Medikamentenliste anzeigen, Notfallnummern abrufen, lokale Einträge im Pflegetagebuch speichern. Die Synchronisation mit der Cloud oder dem Pflegedienst erfordert jedoch eine Internetverbindung. Achten Sie bei der App-Auswahl auf explizite Offline-Fähigkeit.
Werden Pflege-Apps in Zukunft mit der ePA verbunden sein?
Ja, das ist geplant. Ab 2026 sollen DiPA über das TI-Gateway der gematik auf die ePA zugreifen können – mit Einwilligung des Versicherten. Dadurch können Pflegeberichte automatisch in die ePA eingetragen und Medikationspläne synchronisiert werden. Erste Pilotprojekte laufen bereits.
Testen Sie Ihr Wissen
Abschließend ein kurzer Wissenscheck zu digitalen Pflegeanwendungen.
Passende Weiterbildungen & E-Learning
Fundierte Online-Weiterbildung zum Thema Pflege-Apps: praxisorientiert, zertifiziert und rund um die Uhr verfügbar. Ab 19 € pro Kurs.
Pflegedozent & Fachautor. Mein Beitrag zum Thema Pflege-Apps für Angehörige – Die besten digitalen Helfer 2026: fundierte, alltagsnahe Inhalte für Pflegekräfte und Interessierte.