Behandlungspflege

PEG-Sonde – Pflege, Verabreichung & Komplikationen

Ernährung über die Bauchdecke: Hygienische Versorgung, sichere Sondenkost-Gabe und Früherkennung von Komplikationen.

LG 1
Behandlungspflege (Sondenkost-Gabe)
§ 132a
SGB V – Häusliche Krankenpflege
5 Schritte
Systematic PEG-Pflege

Was ist eine PEG-Sonde?

Eine PEG (Perkutane Endoskopische Gastrostomie) ist ein Schlauch, der durch die Bauchdecke direkt in den Magen führt. Sie ermöglicht die Ernährung von Menschen, die nicht (mehr) ausreichend oral essen können – z. B. bei schwerer Dysphagie, Mund-/Rachenkrebs oder fortgeschrittener Demenz.

Die PEG-Anlage erfolgt endoskopisch unter Sedierung. Die anschließende Pflege der Eintrittstelle und Verabreichung der Sondenkost liegen im pflegerischen Verantwortungsbereich – als Behandlungspflege nach § 132a SGB V (Leistungsgruppe 1).

💡 Hinweis: Die Sondenkost-Gabe über PEG gehört zur Behandlungspflege LG 1 und darf von geschulten Pflegekräften (auch Pflegehelfern mit Delegation) durchgeführt werden.

Typische Komplikationen bei PEG-Sonden

  • Wundinfektion an der Eintrittstelle – Rötung, Schwellung, Eiter, Geruch
  • Verstopfte Sonde – durch unzureichendes Spülen oder zu zähe Sondenkost
  • Buried-Bumper-Syndrom – innere Halteplatte wächst in die Magenwand ein
  • Magensaftaustritt – Sonde sitzt nicht fest, ätzt umliegende Haut an
  • Aspiration – Sondenkost fließt retrograd in den Ösophagus → Pneumoniegefahr
  • Dislokation – Sonde rutscht heraus (Notfall: Stoma verschließt sich in Stunden!)

⚠️ Notfall: Wenn die PEG-Sonde herausrutscht, sofort ärztlichen Dienst informieren! Das Stoma beginnt sich innerhalb weniger Stunden zu verschließen. Keinesfalls selbst wieder einführen.

Praxis: Tägliche PEG-Versorgung

Praxisbeispiel

Frau E., 74 Jahre, Pflegegrad 4, schwere Dysphagie nach zweitem Schlaganfall, PEG seit 6 Wochen. Pflegekraft Herr N. kontrolliert morgens die Eintrittstelle: Haut intakt, kein Sekret, keine Rötung. Er dreht die Sonde 1× um 360°, spült mit 50 ml lauwarmem Wasser, gibt 250 ml Sondenkost über die Schwerkraft-Methode (20 Min., OK-Hochlagerung 30°) und spült anschließend mit 30 ml Wasser nach. Dokumentation: Sondenkost-Typ, Menge, Dauer, Hautzustand.

➔ Fazit: Kontrollieren → Drehen → Spülen → Nahrung → Nachspülen → Dokumentieren.

PEG-Pflege – 5 Schritte täglich

1
Eintrittstelle kontrollieren

Täglich inspizieren: Rötung, Schwellung, Sekret, Geruch, Granulationsgewebe? Halteplatte locker genug (ca. 5 mm Spiel)? Markierung an der Sonde prüfen (Länge unverändert?).

2
Sonde drehen

1× täglich um 360° drehen und ca. 1 cm längs verschieben (rein-raus). Verhindert das Buried-Bumper-Syndrom (Einwachsen der inneren Halteplatte in die Magenwand).

3
Eintrittstelle reinigen

Mit steriler NaCl-Lösung 0,9 % und sterilen Kompressen (in den ersten 2 Wochen). Nach Abheilung: mit warmem Wasser und pH-neutraler Seife. Immer von innen nach außen reinigen.

4
Sonde spülen

Vor und nach jeder Sondenkost-Gabe mit mindestens 30–50 ml lauwarmem Wasser spülen. Vor und nach Medikamentengabe ebenfalls spülen. Verhindert Verstopfung.

5
Dokumentieren

Hautzustand der Eintrittstelle, Sondenlänge (cm-Markierung), Sondenkost-Art/-Menge, Spülmenge, Besonderheiten. Bei Veränderungen: Arzt informieren.

Sondenkost-Verabreichung

Methode Beschreibung Vorteil Beachten
Schwerkraft (Bolus) Sondenkost in Spritze/Beutel, läuft per Schwerkraft ein Einfach, schnell, küchennah (mahlzeitenorientiert) Max. 300 ml/Bolus, Laufzeit mind. 15–20 Min.
Schwerkraft (kontinuierlich) Überleitsystem mit Tropfkammer und Rollklemme Gleichmäßige Zufuhr, weniger Übelkeit Hygienisch: System alle 24 Std. wechseln
Pumpengesteuert Ernährungspumpe regelt ml/h exakt Präzise Dosierung, ideal bei Unverträglichkeit Alarm bei Verstopfung; Pumpe verordnungsfähig

⚠️ Aspirationsschutz: Oberkörper während der Sondenkost-Gabe und 30 Minuten danach mindestens 30° hochlagern. Bei Magenresiduum >200 ml: Pause einlegen, Arzt informieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Täglich Eintrittstelle inspizieren – Rötung, Schwellung, Sekret = Arzt informieren
  • Sonde 1×/Tag drehen + längs verschieben – Buried-Bumper-Prophylaxe
  • Vor und nach jeder Gabe spülen – 30–50 ml Wasser; Verstopfungsprophylaxe
  • OK mindestens 30° hochlagern – während Gabe + 30 Min. danach
  • Medikamente einzeln geben + spülen – nie Medikamente mischen
  • Sonde herausgerutscht = Notfall – Stoma verschließt sich in Stunden
  • Dokumentation – Hautzustand, Menge, Spülmenge, Längenmarkierung

Wenn Sie sich nur einen Gedanken merken:

Merksatz: Spülen, spülen, spülen – vor der Kost, nach der Kost, vor den Medikamenten, nach den Medikamenten. Eine verstopfte Sonde ist vermeidbar.

Häufig gestellte Fragen zur PEG-Sonde

Was tun bei verstopfter Sonde?

Mit lauwarmem Wasser und einer 50-ml-Spritze vorsichtig spülen (leichter Druck, nie Gewalt). Kohlensäurehaltiges Wasser oder Pepsinwein können helfen. Nie mit Draht oder spitzen Gegenständen sondieren – Perforationsgefahr! Wenn Spülen nicht hilft: Arzt informieren.

Dürfen Tabletten über die PEG gegeben werden?

Nur wenn der Arzt dies verordnet hat. Tabletten müssen fein gemörsert und in Wasser aufgelöst werden. Retard-Tabletten und magensaftresistente Kapseln dürfen NICHT gemörsert werden (Wirkstofffreisetzung verändert sich). Jedes Medikament einzeln geben, dazwischen spülen.

Wann muss die PEG gewechselt werden?

Moderne PEG-Sonden halten 1–2 Jahre, Button-Systeme ca. 4–6 Monate. Wechselgrund: Material wird porös, Verstopfung nicht behebbar, Buried-Bumper-Syndrom. Der Wechsel erfolgt ärztlich, nicht durch Pflegekräfte.

Darf mit PEG-Sonde gebadet werden?

Ja – nach vollständiger Abheilung der Eintrittstelle (ca. 2–4 Wochen nach Anlage). Die Sonde sollte danach sorgfältig abgetrocknet werden. Schwimmen und Vollbäder sind ebenfalls möglich, Eintrittstelle danach inspizieren.

Ist orale Nahrungsaufnahme trotz PEG möglich?

Häufig ja! Viele Menschen mit PEG können zusätzlich kleine Mengen oral zu sich nehmen (Genuss-Essen). Dies sollte logopädisch abgeklärt und ärztlich abgesprochen sein. Orale Stimulation ist wichtig für Lebensqualität und Schlucktraining.

Testen Sie Ihr Wissen

Wissenscheck
Warum muss die PEG-Sonde 1× täglich um 360° gedreht werden?
A) Um die Sondenkost besser zu verteilen
B) Um das Buried-Bumper-Syndrom (Einwachsen) zu verhindern
C) Um die Sonde zu reinigen
D) Das ist nicht nötig
Auflösung anzeigen

Richtige Antwort: B) Um das Buried-Bumper-Syndrom zu verhindern

Ohne regelmäßiges Drehen und längs Verschieben kann die innere Halteplatte in die Magenwand einwachsen (Buried-Bumper-Syndrom). Dies erfordert dann eine endoskopische oder chirurgische Intervention.

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Tim Reinhold Dozent für Pflegeweiterbildung · Fachautor im Wissenszentrum Pflege

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