Was ist ein Koma?
Der Begriff Koma ist in der Allgemeinbevölkerung geläufig, und bei den meisten klingeln die Alarmglocken, wenn dieser auftaucht. Das kommt nicht ganz von ungefähr, da es sich in vielen Fällen um einen sehr kritischen Gesundheitszustand handelt. Ein Koma kann lebensbedrohlich sein, führt jedoch nicht regelhäft zum Hirntod und ist klar davon abzugrenzen.
Die Namensgebung Koma stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „tiefer Schlaf“. Wir wissen aus Überlieferungen, dass diese schwerste Form der Bewusstseinsstörung schon sehr lange bekannt ist und auch Hippokrates von Kos bereits Texte darüber verfasste. Doch die eigentlichen Umstände konnten erst mit modernen bildgebenden Verfahren sowie Ableitungen des EEG genauer erforscht werden.
Die vier Stufen des Komas
Lange Zeit galt das Koma als eine Art statischer Prozess, mittlerweile wird dieser in vier Stufen unterteilt:
Der Patient reagiert auf Schmerzreize und kann gezielte Abwehrbewegungen durchführen. Die Pupillen reagieren auf Lichteinfall.
Der Patient reagiert ungezielt auf Schmerzreize. Pupillen reagieren auf Lichteinfall, jedoch verzögert.
Keine Reaktion auf Schmerzreize, leichte ungezielte Bewegungen. Pupillen reagieren nur schwach.
Patient reagiert auf keine Schmerzreize. Pupillen sind geweitet und reagieren nicht mehr auf Licht.
In der Praxis wird häufig eher die Glasgow-Coma-Scale (GCS) verwendet als diese klassische Einteilung. Die GCS erfasst drei Bereiche – Augenöffnung, verbale Reaktion und motorische Antwort – und vergibt Punkte von 3 (tiefstes Koma) bis 15 (volles Bewusstsein). Sie ermöglicht eine schnelle, standardisierte Einschätzung und wird insbesondere in der Notfallmedizin als erstes Beurteilungsinstrument eingesetzt.
Abgrenzung: Koma, Wachkoma, MCS und Locked-in-Syndrom
Verschiedene Bewusstseinszustände müssen vom Koma abgegrenzt werden. Sie hängen vom Grad der Hirnaktivität ab und unterscheiden sich in Prognose und Behandlung erheblich:
| Zustand | Bewusstsein | Merkmale |
|---|---|---|
| Koma | Nicht vorhanden | Keine Reaktion auf Reize, Augen geschlossen |
| Wachkoma (apallisches Syndrom) | Nicht nachweisbar | Augen geöffnet, scheinbare Reaktionen, keine kognitive Funktion |
| MCS (Minimally Conscious State) | Minimale Restbewusstheit | Zielgerichtete Reaktionen auf äußere Reize, Schlaf-Wach-Rhythmus |
| Locked-in-Syndrom | Volles Bewusstsein | Nahezu vollständige Körperlähmung, Kommunikation über Augenbewegungen |
Das Koma ist keine gezielte Schutzreaktion des Körpers, sondern Ausdruck einer schweren Funktionsstörung des Gehirns. Ursachen können Hirnschädigungen, Stoffwechselentgleisungen oder auch die Wirkung von Medikamenten, Drogen oder Toxinen sein.
Ursachen eines Komas
Strukturelle Hirnschädigungen
- Apoplex (Schlaganfall)
- Schädel-Hirn-Trauma
- Meningitis
- Enzephalitis
- Hirnblutungen
- Epileptischer Anfall
- Hirntumore
Stoffwechselstörungen
- Kreislaufversagen
- Sauerstoffmangel
- Unterzuckerung
- Überzuckerung
- Niereninsuffizienz
- Leberinsuffizienz
Wachkoma und MCS
Gerade das Wachkoma gab lange große Rätsel auf, da Betroffene die Augen geöffnet haben und teilweise Bewegungen zeigen. Auch können scheinbare emotionale Reaktionen auftreten. Dennoch sind die höheren kognitiven Funktionen stark eingeschränkt, meist aufgrund einer Schädigung des Großhirns.
Beim MCS, das als eigenständiger Bewusstseinszustand zwischen Koma und vollem Bewusstsein eingeordnet wird und einen Schlaf-Wach-Rhythmus aufweist, zeigen Betroffene minimale, aber nachweisbar zielgerichtete Reaktionen auf äußere Reize. Die Prognose ist hier im Vergleich zum Wachkoma etwas günstiger, insbesondere in den ersten Monaten.
Künstliches Koma
Das künstliche Koma wird von den oben genannten Zuständen abgegrenzt, da es sich um eine gezielt eingeleitete und kontrollierte Sedierung handelt. Streng genommen spricht man hier eher von einer Langzeitsedierung oder Narkose. Anwendung findet dies beispielsweise bei schweren Schädel-Hirn-Traumata oder nach großen operativen Eingriffen, um das Gehirn zu entlasten und den Sauerstoffverbrauch zu senken.
Diagnostik im Koma
Die Diagnostik bei komatösen Patienten umfasst mehrere Verfahren, die möglichst zeitnah eingeleitet werden sollten. Neben der klinischen Beurteilung durch die GCS kommen bildgebende Verfahren wie CT und MRT zum Einsatz, um strukturelle Schädigungen sichtbar zu machen. Das EEG liefert Informationen über die verbliebene Hirnaktivität und hilft, zwischen verschiedenen Komaformen zu differenzieren. Laboruntersuchungen sind essenziell, um metabolische Ursachen wie Blutzuckerentgleisungen, Elektrolytstörungen oder Intoxikationen zu identifizieren.
Prognose und Verlauf
Die Prognose eines Komas hängt maßgeblich von der Ursache, der Dauer und dem Ausmaß der Hirnschädigung ab. Metabolisch bedingte Komata – etwa durch Unterzuckerung oder Intoxikationen – haben in der Regel eine deutlich bessere Prognose als strukturelle Hirnschädigungen durch ausgedehnte Blutungen oder Sauerstoffmangel. Je länger ein Koma andauert, desto unwahrscheinlicher wird eine vollständige Erholung. Dennoch sind Einzelfälle dokumentiert, in denen Patienten selbst nach Wochen oder Monaten das Bewusstsein wiedererlangt haben.
Träumen Komapatienten?
Es gibt Berichte von Patienten nach dem Erwachen, die von traumähnlichen Erlebnissen berichten. Wissenschaftlich ist dies jedoch nicht eindeutig belegt und hängt stark von der Tiefe und Ursache des Komas ab.
Quellen & weiterführende Literatur
- DocCheck Flexikon – Koma
- DocCheck Flexikon – Glasgow Coma Scale
- DocCheck Flexikon – Apallisches Syndrom (Wachkoma)
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) – Bewusstseinsstörungen und Koma
- Teasdale, G. & Jennett, B. (1974): Assessment of coma and impaired consciousness – The Lancet, 304(7872), S. 81–84
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