Behandlungspflege

Katheter Pflege – Dauerkatheter fachgerecht versorgen

Transurethraler und suprapubischer Blasenkatheter: Pflege, Hygiene, Komplikationen vermeiden und Katheterwechsel-Intervalle kennen.

LG 2
Behandlungspflege § 132a SGB V
~80 %
HWI durch Katheter (CA-UTI)
Aseptisch
Geschlossenes Ableitungssystem

Was ist ein Blasenkatheter?

Ein Blasenkatheter (Harnkatheter) ist ein dünner Schlauch, der in die Harnblase eingeführt wird, um Urin kontrolliert abzuleiten. Man unterscheidet den transurethralen Katheter (DK – durch die Harnröhre) und den suprapubischen Katheter (SPK – durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeins).

Indikationen: Harnverhalt, perioperative Ableitung, Bilanzierung, immobile Patienten mit Inkontinenz (als letzte Option), neurologische Blasenentleerungsstörungen. Die katheterassoziierte Harnwegsinfektion (CA-UTI) ist die häufigste nosokomiale Infektion – korrekte Katheter-Pflege ist Infektionsprävention.

⚠️ Grundsatz: Jeder Katheter ist ein Infektionsrisiko. Immer prüfen: Ist der Katheter noch indiziert? Schnellstmögliche Entfernung ist die beste Prävention.

Häufige Fehler bei der Katheter-Pflege

  • Geschlossenes System öffnen – jede unnötige Diskonnektion zwischen Katheter und Beutel erhöht das Infektionsrisiko massiv
  • Beutel über Blasenniveau – Urin fließt zurück in die Blase (Reflux), Keimverschleppung
  • Fehlende Intimpflege – Keimbesiedlung an der Eintrittsstelle ist Hauptursache für aufsteigende Infektionen
  • Zug am Katheter – verursacht Schleimhautläsionen, Drucknekrosen an der Harnröhre
  • Routinemäßige Blasenspülungen – ohne Indikation kontraproduktiv, erhöhen Infektionsrisiko
  • Katheter zu lange belassen – Indikation nicht regelmäßig überprüft, unnötige Liegedauer

Praxis: DK-Pflege bei Harnverhalt

Praxisbeispiel

Herr U., 81 Jahre, Pflegegrad 3, benigne Prostatahyperplasie, Z. n. akutem Harnverhalt, transurethraler Dauerkatheter Ch 16 Silikon seit 5 Tagen. Pflegerin Frau S. kontrolliert morgens: Urinbeutel unter Blasenniveau, Ablaufhahn geschlossen, System geschlossen. Katheter spannungsfrei am Oberschenkel fixiert. Intimpflege mit klarem Wasser – Kathetereintrittsstelle von vorne nach hinten reinigen, keine Desinfektion am Meatus. Urin: klar, hellgelb, 1.800 ml/24h, kein Sediment. Temperatur 36,4 °C. Arzt hat Katheter-Entfernung für morgen geplant (Miktionsversuch).

➔ Fazit: Geschlossenes System + Intimpflege + spannungsfreie Fixierung + regelmäßige Indikationsprüfung = Infektionsvermeidung. Nach 6 Tagen: Katheter entfernt, Spontanmiktion möglich.

Katheterarten im Überblick

Katheterart Zugang Indikation Wechselintervall Besonderheiten
Transurethraler DK (Silikon) Harnröhre Kurzzeit (Tage–Wochen) 4–6 Wochen (je nach Hersteller) Häufigste Form; geringere Inkrustation als Latex
Transurethraler DK (Latex) Harnröhre Kurzzeit (max. 5 Tage) Max. 5–7 Tage Allergierisiko! Silikonbeschichtet bevorzugen
Suprapubischer Katheter (SPK) Bauchdecke (suprapubische Punktion) Langzeit, Harnröhren-Schonung 4–8 Wochen Geringere HWI-Rate als DK; Einstichstelle pflegen
Einmalkatheterismus (ISK) Harnröhre (intermittierend) Blasenentleerungsstörung, Restharn Kein Verweilen – sofort entfernen Goldstandard bei neurogener Blase; Selbstkatheterismus

Katheter-Pflege: Die 6 Grundregeln

1
Geschlossenes System wahren

Niemals Katheter vom Beutel diskonnektieren! Urinproben nur über die Entnahmestelle (Port). Beutelwechsel nur bei Defekt oder Systemwechsel – dann aseptisch.

2
Beutel unter Blasenniveau

Urinbeutel immer tiefer als die Blase positionieren. Nicht auf den Boden legen (Kontamination). Schlauch knickfrei verlegen. Bein- oder Bettbeutel je nach Mobilität.

3
Spannungsfreie Fixierung

Katheter am Oberschenkel (DK) oder an der Bauchdecke (SPK) fixieren. Verhindert Zug an Harnröhre/Einstichstelle. Spezielle Katheter-Fixierungspflaster verwenden.

4
Tägliche Intim-/Eintrittspflege

DK: Meatus urethrae täglich mit Wasser reinigen (keine Desinfektion!). SPK: Einstichstelle mit steriler Kompresse und ggf. Antiseptikum nach Anordnung versorgen.

5
Urin beobachten & dokumentieren

Farbe (klar/trüb), Menge, Geruch, Beimengungen (Blut, Sediment, Flocken). Temperatur messen. Veränderungen sofort melden – frühe HWI-Zeichen erkennen.

6
Indikation täglich prüfen

Ist der Katheter noch notwendig? Arzt-Rücksprache. Kann auf ISK umgestellt werden? Frühestmögliche Entfernung planen. Je kürzer die Liegedauer, desto geringer das Infektionsrisiko.

Katheter-assoziierte Komplikationen

🦠

CA-UTI (Harnwegsinfektion)

Häufigste Komplikation. Symptome: Fieber, trüber/übelriechender Urin, suprapubische Schmerzen. Prävention: geschlossenes System, Hygiene, kurze Liegedauer.

🔴

Inkrustation & Verstopfung

Mineralablagerungen im Katheter – besonders bei alkalischem Urin. Ausreichend Trinkmenge (≥ 1,5 l/Tag). Katheter rechtzeitig wechseln. Keine routinemäßige Spülung.

⚠️

Harnröhrentrauma

Durch Zug, zu großen Katheter oder Manipulation. Blut am Meatus, Schmerzen. Prävention: korrekte Größe (Ch 14–16), spannungsfreie Fixierung.

🔹

Blasenkrämpfe

Schmerzhafter Blasenspasmus durch Katheterreizung. Häufig bei überaktiver Blase. Maßnahme: Katheter auf Durchgängigkeit prüfen, Arzt informieren (ggf. Spasmolytikum).

Besonderheiten: Suprapubischer Katheter (SPK)

Vorteile gegenüber DK

  • Harnröhre wird geschont – keine Urethrastriktur
  • Geringere Rate an Harnwegsinfektionen
  • Miktionstraining möglich (Katheter abklemmen)
  • Bessere Intimhygiene ohne Katheter zwischen den Beinen

Einstichstellen-Pflege

  • Tägliche Inspektion der Einstichstelle – Rötung, Schwellung, Sekret?
  • Steriler Verbandwechsel nach ärztlicher Anordnung (initial täglich, später 2–3 ×/Woche)
  • Hautantiseptik nach KRINKO-Empfehlung
  • Katheter an Bauchdecke fixieren – kein Zug an der Punktionsstelle

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Geschlossenes System nie öffnen – jede Diskonnektion = Infektionsrisiko
  • Beutel immer unter Blasenniveau – Reflux = Keimverschleppung
  • Spannungsfreie Fixierung – Zug verursacht Schleimhautschäden
  • Intimpflege täglich mit Wasser – keine Desinfektion am Meatus
  • Urin beobachten – Farbe, Menge, Klarheit, Geruch dokumentieren
  • Indikation täglich prüfen – frühestmögliche Entfernung ist beste Prävention
  • Keine routinemäßigen Blasenspülungen – nur bei ärztlicher Indikation

Wenn Sie sich nur einen Gedanken merken:

Merksatz: Der beste Katheter ist der, der nicht liegt. Ist er notwendig: geschlossenes System, tiefer als die Blase, spannungsfrei fixiert, täglich hinterfragen.

Häufig gestellte Fragen zur Katheter-Pflege

Warum darf der Urinbeutel nie über Blasenniveau hängen?

Wenn der Beutel höher hängt als die Blase, fließt Urin retrograd (rückwärts) in die Blase zurück. Im Urinbeutel befinden sich immer Bakterien – der Reflux verschleppt diese Keime direkt in die Blase. Das ist die häufigste Ursache für katheterassoziierte Harnwegsinfektionen.

Wie oft muss ein Dauerkatheter gewechselt werden?

Silikon-Katheter: alle 4–6 Wochen. Latex-Katheter: alle 5–7 Tage. SPK: alle 4–8 Wochen. Herstellerangaben beachten! Außerplanmäßiger Wechsel bei: Verstopfung, Inkrustation, Infektion, undichtem Ballon. Katheter nie prophylaktisch spülen statt wechseln.

Dürfen Pflegehilfskräfte Katheter-Pflege durchführen?

Die tägliche Katheterpflege (Beutelentleerung, Intimpflege, Beobachtung) kann nach fachlicher Anleitung delegiert werden. Das Legen und Entfernen eines Katheters gehört zur Behandlungspflege LG 2 und ist Pflegefachkräften oder Ärzten vorbehalten.

Muss bei Dauerkatheter die Trinkmenge erhöht werden?

Ja – eine ausreichende Trinkmenge (mindestens 1,5 l/Tag, wenn keine Kontraindikation besteht) sorgt für Spüleffekt und verdünnt den Urin. Das reduziert Inkrustationen und Keimkonzentration. Achtung: Bei Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz Trinkmenge mit dem Arzt abstimmen.

Wann ist ein suprapubischer Katheter besser als ein DK?

Bei Langzeitableitung (> 2 Wochen), Harnröhrenverletzungen, Prostatahyperplasie (wenn DK nicht gelegt werden kann), und wenn Miktionstraining geplant ist. Vorteile: geringere HWI-Rate, keine Harnröhrenschädigung, bessere Lebensqualität. Nachteil: operativer Zugang, Einstichstellen-Pflege.

Testen Sie Ihr Wissen

Wissenscheck
Was ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention katheterassoziierter Harnwegsinfektionen?
A) Tägliche Blasenspülung mit Antiseptikum
B) Prophylaktische Antibiotikagabe
C) Frühestmögliche Katheterentfernung und geschlossenes Ableitungssystem
D) Katheter täglich wechseln
Auflösung anzeigen

Richtige Antwort: C) Frühestmögliche Katheterentfernung und geschlossenes Ableitungssystem

Die wichtigsten evidenzbasierten Maßnahmen gemäß KRINKO: strenge Indikationsstellung, frühestmögliche Entfernung, geschlossenes Ableitungssystem. Routinemäßige Blasenspülungen und prophylaktische Antibiotika sind nicht empfohlen und können sogar Resistenzen fördern.

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Tim Reinhold Dozent für Pflegeweiterbildung · Fachautor im Wissenszentrum Pflege

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