Inhalation – Anleitung für die Pflege
Inhalationstherapie korrekt durchführen: Gerätetypen, Inhalationstechnik, häufige Fehler und pflegerische Anleitung für Patienten.
Was ist Inhalation?
Inhalation bezeichnet das Einatmen fein zerstäubter Wirkstoffe oder Flüssigkeiten in die Atemwege. Ziel ist die lokale Wirkung an Bronchien und Lungengewebe – mit weniger systemischen Nebenwirkungen als bei oraler Gabe.
In der Behandlungspflege LG 1 gehört die Inhalation zu den ärztlich verordneten Maßnahmen. Pflegekräfte führen die Inhalation durch, leiten Patienten an und kontrollieren die korrekte Technik. Die häufigsten Indikationen sind COPD, Asthma bronchiale, Mukoviszidose und akute Atemwegsinfekte.
💡 Wussten Sie? Studien zeigen: Bis zu 80 % der Patienten verwenden Dosieraerosole falsch. Die korrekte Anleitung durch Pflegekräfte ist der wichtigste Faktor für den Therapieerfolg.
Häufige Fehler bei der Inhalation
- Fehlende Koordination (Sprühstoß + Einatmung) – bei Dosieraerosolen der häufigste Fehler; Wirkstoff landet im Mund statt in der Lunge
- Zu schnelles Einatmen – Partikel prallen an der Rachenwand ab (besonders bei Dosieraerosolen)
- Atem nicht anhalten – nach dem Einatmen 5–10 Sekunden Luft anhalten, damit Partikel sedimentieren
- Pulverinhalator falsch vorbereitet – Dosis nicht richtig geladen, Gerät geschüttelt (beim Pulver kontraproduktiv)
- Mund nicht ausspülen nach Cortison – ohne Mundspülung drohen Soor (Mundsoor) und Heiserkeit
- Vernebler nicht gereinigt – Keimbesiedlung im Gerät, Verneblerkammer nicht getrocknet
Praxis: Inhalation bei COPD-Patientin
Herr N., 73 Jahre, Pflegegrad 2, COPD GOLD Stadium III, verordnet: Tiotropium (Pulverinhalator morgens) und Salbutamol (Dosieraerosol bei Bedarf). Pflegerin Frau K. stellt fest, dass Herr N. das Dosieraerosol falsch anwendet: Er atmet nicht tief genug ein und hält die Luft nicht an. Nach Anleitung mit Spacer-Einsatz und Übung: Herr N. spürt deutliche Verbesserung, Sauerstoffsättigung steigt von 89 % auf 93 %.
➔ Fazit: Korrekte Anleitung + Spacer-Einsatz → effektivere Wirkstoffdeposition → weniger Exazerbationen.
Inhalationssysteme im Überblick
| System | Funktionsweise | Vorteile | Nachteile | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Dosieraerosol (DA) | Treibgasgetriebener Sprühstoß | Handlich, schnell einsetzbar | Koordination Sprühstoß-Einatmung nötig | Spacer empfohlen für ältere Patienten |
| Pulverinhalator (PI) | Atemzug-aktiviert, kein Treibgas | Keine Koordination nötig, leicht tragbar | Benötigt ausreichend Inspirationskraft | Nicht schütteln! Trocken lagern |
| Vernebler (elektrisch) | Erzeugt Aerosol aus Flüssigkeit (Druckluft/Ultraschall) | Keine Koordination nötig, auch bei Schwäche einsetzbar | Dauer ca. 10–20 Min., Gerät reinigen | Ideal für schwer kranke/ältere Patienten |
⚠️ Spacer-Einsatz: Bei Dosieraerosolen mit Cortison immer Spacer verwenden – er verringert Mundschleimhaut-Belastung um bis zu 80 % und erhöht die pulmonale Deposition.
Korrekte Inhalation: Dosieraerosol mit Spacer
Hände waschen. Schutzkappe entfernen, Dosieraerosol schütteln (10–15×) und in Spacer einsetzen.
Patient sitzt aufrecht. Langsam und vollständig ausatmen (nicht in den Spacer hinein!).
Spacer-Mundstück mit den Lippen fest umschließen. Einen Sprühstoß in den Spacer auslösen.
Langsam und tief einatmen (ca. 3–5 Sek.). Kein schneller, heftiger Atemzug!
5–10 Sekunden Luft anhalten – so sedimentieren die Wirkstoffpartikel in den kleinen Atemwegen. Dann langsam durch die Nase ausatmen.
Bei Cortison-Präparaten: Mund gründlich mit Wasser ausspülen und ausspucken – Soor-Prophylaxe! Bei Bronchodilatatoren nicht zwingend nötig.
Verneblung: Ablauf & Hygiene
Durchführung
- Verordnete Medikamentenmenge in Verneblerkammer füllen
- Ggf. mit NaCl 0,9 % auf Mindestfüllmenge auffüllen (lt. Hersteller)
- Maske oder Mundstück aufsetzen, Gerät einschalten
- Patient atmet ruhig und gleichmäßig ein und aus (10–20 Min.)
- Bei Cortison: Gesicht nach Inhalation waschen
Hygiene & Aufbereitung
- Nach jedem Gebrauch: Verneblerkammer + Mundstück/Maske mit warmem Wasser spülen
- Trocknen lassen auf sauberem Tuch (keine Feuchtigkeit im Gerät!)
- Mind. 1×/Woche: Desinfektion lt. Herstellerangabe
- Schlauchsystem: regelmäßig wechseln (lt. Hygieneplan)
- Einweg-Vernebler: nach Herstellerangabe entsorgen
⚠️ Keimgefahr: Feucht gelagerte Verneblerkammern sind ein idealer Nährboden für Pseudomonaden und Schimmelpilze. Immer vollständig trocknen!
Das Wichtigste auf einen Blick
- Koordination ist der Schlüssel – beim Dosieraerosol: Sprühstoß + langsames Einatmen abstimmen
- Spacer bei Cortison-DA immer verwenden – reduziert Mundbelastung um bis zu 80 %
- 5–10 Sek. Luft anhalten – ermöglicht Sedimentation der Partikel in den kleinen Atemwegen
- Mund ausspülen nach Cortison – Soor-Prophylaxe!
- Vernebler nach jedem Gebrauch reinigen + trocknen – Keimgefahr!
- Inhalationstechnik regelmäßig überprüfen – Re-Anleitung bei jedem Pflegekontakt
- Dokumentation: Präparat, Dosis, Zeitpunkt, Verträglichkeit
Wenn Sie sich nur einen Gedanken merken:
Merksatz: Das beste Medikament nützt nichts, wenn es im Mund landet statt in der Lunge – korrekte Technik, Spacer-Einsatz und Mundspülung machen den Unterschied.
Häufig gestellte Fragen zur Inhalation
Warum ist ein Spacer so wichtig?
Der Spacer verlangsamt die Aerosolwolke und macht die Koordination unnötig. Mehr Wirkstoff erreicht die Lunge (bis zu 50 % mehr als ohne Spacer), weniger bleibt im Mund haften. Besonders wichtig bei Cortison (Soor-Reduktion) und älteren Patienten mit eingeschränkter Koordination.
Was ist der Unterschied zwischen Dosieraerosol und Pulverinhalator?
DA: Treibgasgetrieben, erfordert Koordination (Sprühstoß + Einatmung), langsam einatmen. PI: Atemzug-aktiviert, keine Koordination nötig, aber kräftig und schnell einatmen (höherer Inspirationsfluss nötig). Tipp: DA + Spacer ≈ PI in der Effektivität.
Wann ist ein Vernebler die bessere Wahl?
Bei schwer kranken Patienten, die nicht kräftig genug einatmen können (z. B. Exazerbation, Kinder, Demenz). Der Vernebler erfordert keine aktive Koordination – der Patient atmet einfach ruhig über 10–20 Minuten ein. Nachteil: länger, Geräteaufwand, Hygienebedarf.
Was tun bei Mundpilz (Soor) nach Cortison-Inhalation?
Sofort Arzt informieren – Antimykotikum wird verordnet. Künftig: nach jeder Cortison-Inhalation Mund gründlich spülen + ausspucken. Bei DA zusätzlich immer Spacer verwenden. Regelhaft Mundschleimhaut inspizieren.
Wie erkenne ich, ob das Dosieraerosol leer ist?
Viele DA haben Dosiszähler. Ohne Zähler: leere Patronen in Wasser legen – schwimmt sie oben, ist sie leer. Nicht schütteln und raten! Immer rechtzeitig neues Rezept anfordern.
Testen Sie Ihr Wissen
Auflösung anzeigen
Richtige Antwort: B) Um Mundpilz (Soor) und Heiserkeit vorzubeugen
Cortison-Partikel, die in Mund und Rachen verbleiben, unterdrücken die lokale Immunabwehr – Candida-Pilze können sich ansiedeln (Soor). Zusätzlich reizt Cortison die Stimmbänder. Durch Mund ausspülen + Ausspucken wird der Wirkstoff aus dem Mundraum entfernt.
Weiterführende Themen im Wissenszentrum
Inhalationstherapie hängt eng mit diesen Bereichen zusammen:
📚 Passende E-Learning Fortbildungen & Weiterbildungen
Inhalationstherapie und Atemwegsmanagement vertiefen:
Inhalationstechnik, Device-Schulung und Atemtherapie — Behandlungspflege-Kompetenz aus der Weiterbildung LG 1 & LG 2. Jetzt Kursplatz sichern