Händehygiene in der Pflege – Die 5 Momente der WHO
Korrekte Händedesinfektion schützt Patienten und Pflegekräfte zuverlässig vor nosokomialen Infektionen. Ein Leitfaden nach WHO- und KRINKO-Standard.
Was bedeutet Händehygiene in der Pflege?
Händehygiene umfasst alle Maßnahmen zur Reduktion der transienten und residenten Hautflora an den Händen. Dazu zählen die hygienische Händedesinfektion, das Händewaschen sowie die Handpflege. Sie ist die wirksamste Einzelmaßnahme zur Verhütung nosokomialer Infektionen.
Gemäß KRINKO-Empfehlung (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am RKI) und dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist die Händehygiene eine verbindliche Anforderung in allen Pflegeeinrichtungen.
Typische Fehlerquellen
- Zu kurze Einwirkzeit – Die vorgeschriebenen 30 Sekunden werden häufig nicht eingehalten
- Lückenhafte Benetzung – Fingerkuppen, Daumen und Fingerzwischenräume werden oft vergessen
- Schmuck an den Händen – Ringe, Uhren und Armbänder verhindern eine vollständige Desinfektion
- Rissige Haut – Geschädigte Hautbarriere begünstigt Keimbesiedlung und Infektionen
- Händewaschen statt Desinfektion – Waschen allein ist der Desinfektion unterlegen und schädigt die Haut stärker
Praxisbeispiel
Pfleger Herr P. (27 Jahre, Berufsanfänger) wechselt einen Wundverband am Unterschenkel. Er zieht Handschuhe an, führt aber keine Händedesinfektion vor der aseptischen Tätigkeit durch. Die Praxisanleiterin beobachtet die Situation und spricht ihn an.
Im anschließenden Reflexionsgespräch wird klar: Herr P. dachte, Handschuhe würden die Desinfektion ersetzen. Die Anleiterin erklärt die 5 Momente der WHO und verdeutlicht, dass Handschuhe keimbelastet sein können und die Desinfektion vor aseptischen Tätigkeiten (Moment 2) unverzichtbar ist.
Herr P. integriert die 5 Momente ab sofort in seinen Arbeitsablauf. Ein Aushang im Behandlungsraum dient als Gedächtnisstütze.
Die 5 Momente der Händehygiene (WHO)
Die Weltgesundheitsorganisation definiert fünf Indikationen, zu denen eine Händedesinfektion zwingend erforderlich ist:
Schutz des Patienten vor Keimen, die an den Händen der Pflegekraft haften. Beispiel: Vor dem Messen der Vitalzeichen, vor der Mobilisation.
Schutz des Patienten vor Keimeintrag in sterile oder empfindliche Bereiche. Beispiel: Vor Verbandswechsel, Injektionen, Katheterpflege.
Schutz der Pflegekraft und der Umgebung vor potenziell infektiösem Material. Beispiel: Nach Wundversorgung, Mundpflege, Ausscheidungshilfe.
Schutz der Pflegekraft und der nächsten Patienten vor Keimübertragung. Beispiel: Nach Lagerung, Mobilisation, körperlicher Untersuchung.
Auch ohne direkten Patientenkontakt können Flächen kontaminiert sein. Beispiel: Nach Kontakt mit Bettgitter, Nachttisch, Infusionsständer.
Korrekte Einreibetechnik (EN 1500)
6 Schritte: 1) Handfläche auf Handfläche → 2) Rechte Handfläche über linken Handrücken und umgekehrt → 3) Handfläche auf Handfläche, Finger verschränkt → 4) Außenseite der Finger auf gegenseitige Handfläche → 5) Kreisendes Reiben des Daumens → 6) Kreisendes Reiben der Fingerkuppen. Mindestens 30 Sekunden feucht halten!
7 Merkpunkte zur Händehygiene
- 30 Sekunden Einwirkzeit – Die Hände müssen während der gesamten Dauer feucht bleiben
- Kein Schmuck – Ringe, Uhren und Armbänder vor Dienstbeginn ablegen
- Handschuhe ersetzen keine Desinfektion – Vor und nach dem Tragen desinfizieren
- Händewaschen nur bei sichtbarer Verschmutzung – Desinfektion ist der Standardweg
- Hautpflege gehört dazu – Regelmäßiges Eincremen schützt die Hautbarriere
- Fingernägel kurz und unlackiert – Künstliche Nägel und Nagellack sind in der Pflege verboten
- Spenderspitzen nicht berühren – Desinfektionsmittel ohne Kontamination entnehmen
Merksatz: Die hygienische Händedesinfektion ist die einfachste, kostengünstigste und wirksamste Maßnahme gegen nosokomiale Infektionen – 30 Sekunden können Leben retten.
Häufige Fragen
Wann wasche ich die Hände, wann desinfiziere ich?
Händewaschen nur bei sichtbarer Verschmutzung oder nach Kontakt mit Clostridioides-difficile-positiven Patienten (Sporen sind alkoholresistent). In allen anderen Fällen ist die alkoholische Händedesinfektion dem Waschen überlegen – schneller, wirksamer, hautschonender.
Ist Desinfektion bei Handschuhwechsel nötig?
Ja. Vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen von Handschuhen ist eine Händedesinfektion erforderlich. Handschuhe können Mikroperforationen aufweisen, und beim Ausziehen besteht Kontaminationsgefahr.
Was tun bei Hautproblemen durch häufige Desinfektion?
Hautpflegeprodukte (vom Arbeitgeber bereitzustellen) regelmäßig verwenden. Rissige Haut dem Betriebsarzt melden. Desinfektionsmittel mit Rückfettern bevorzugen. Waschen nach Möglichkeit reduzieren – es schädigt die Haut stärker als Desinfektion.
Gelten die 5 Momente auch in der ambulanten Pflege?
Ja. Die KRINKO-Empfehlungen gelten gleichermaßen für stationäre und ambulante Settings. In der häuslichen Pflege kommen tragbare Händedesinfektionsmittel zum Einsatz. Die 5 Momente bleiben identisch.
Wie wird die Compliance der Händehygiene überprüft?
Durch direkte Beobachtung („Compliance-Beobachtung“), Verbrauchsanalysen von Desinfektionsmitteln und regelmäßige Schulungen. Das RKI empfiehlt eine jährliche Schulung und die Teilnahme an Kampagnen wie der „Aktion Saubere Hände“.
Quellen und weiterführende Informationen
- RKI / KRINKO – Empfehlung zur Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens (Bundesgesundheitsblatt 2016)
- WHO – WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care („My 5 Moments for Hand Hygiene“)
- DGUV – Information 207-206: Prävention chemischer Risiken – Hautschutz
- gesetze-im-internet.de – Infektionsschutzgesetz (IfSG), insb. §§ 23, 36
- Aktion Saubere Hände – Nationales Referenzzentrum für Surveillance (NRZ), Charité Berlin
Antwort anzeigen
Richtig: B) – Ein Verbandswechsel ist eine aseptische Tätigkeit. Moment 2 verlangt eine Händedesinfektion unmittelbar vor dem Eingriff – auch wenn bereits Handschuhe getragen werden. Zusätzlich gelten Moment 1 (vor Patientenkontakt) und Moment 3 (nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten).
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