Haare waschen im Bett – Anleitung für die Pflege
Wie Sie bettlägerigen Menschen die Haare waschen – mit oder ohne Haarwaschbecken, sicher und komfortabel.
Warum Haarwäsche zur Grundpflege gehört
Haare waschen im Bett ist eine Maßnahme der Grundpflege gemäß § 14 SGB XI. Sie betrifft bettlägerige Menschen, die das Bett nicht verlassen können – z. B. nach Schlaganfall, bei schwerer Herzinsuffizienz oder in der Palliativphase.
Saubere Haare haben eine hohe psychologische Bedeutung: Sie tragen wesentlich zum Wohlbefinden, Selbstwertgefühl und zur Würde bei. Gleichzeitig dient die Haarwäsche der Kopfhautpflege und Infektion-Prophylaxe (z. B. Pilzinfektionen der Kopfhaut).
💡 Tipp: Fragen Sie immer nach der biografischen Gewohnheit: Welches Shampoo? Wie oft? Welche Frisur? – das steigert die Akzeptanz enorm.
Warum wird die Haarwäsche im Bett oft vermieden?
In der Praxis wird die Haarwäsche bei bettlägerigen Menschen häufig aufgeschoben oder grob durchgeführt. Typische Gründe:
- Aufwand wird überschätzt – „Zu kompliziert im Bett“
- Fehlendes Material – kein aufblasbares Haarwaschbecken verfügbar
- Angst vor Aspiration – Wasser könnte in Mund/Nase gelangen
- Bett wird nass – unzureichende Abdeckung
- Pflegebedürftiger friert – nasse Haare, kalter Raum
⚠️ Problem: Wenn die Haarwäsche wochenlang ausfällt, leidet nicht nur die Hygiene – Schuppen, Juckreiz und Kopfhautinfektionen nehmen zu. Betroffene schämen sich und ziehen sich sozial zurück.
Praxis: Haarwäsche bei einer bettlägerigen Bewohnerin
Frau H., 89 Jahre, Pflegegrad 5, vollständig bettlägerig nach Hüft-TEP-Revision. Sie hatte seit 10 Tagen keine Haarwäsche. Pflegekraft Lisa bringt ein aufblasbares Haarwaschbecken mit, erwärmt den Raum auf 24 °C und legt zwei große Handtücher unter Frau H.s Kopf. Sie positioniert Frau H. an die Bettkante, schiebt das Becken unter den Hinterkopf und wäscht die Haare mit lauwarmem Wasser und Frau H.s Lieblingsshampoo (Kamille – biografische Gewohnheit). Nach dem Föhnen und Kämmen sagt Frau H.: „Das hätte ich schon viel früher gebraucht.“
➔ Fazit: Gute Vorbereitung (Material, Raumtemperatur, Biografie-Shampoo) macht die Haarwäsche im Bett in 15 Minuten machbar.
3 Methoden für die Haarwäsche im Bett
1. Aufblasbares Haarwaschbecken
Goldstandard. Wird unter den Hinterkopf geschoben, sammelt Wasser auf, Abfluss über Schlauch in Eimer. Sauberste und gründlichste Methode. Über Sanitätshäuser oder Pflegehilfsmittel bestellbar.
2. Trockenshampoo / Schaumkappen
Schnelle Alternative. Trockenshampoo oder fertige Waschkappen (z. B. Comfort Bath®) auf das Haar auftragen, einmassieren, austrocknen lassen. Kein Wasser nötig – ideal für Palliativpflege oder bei Aspirationsgefahr.
3. Feuchte-Tücher-Methode
Improvisationslösung. Warme, feuchte Tücher über die Haare legen, Shampoo einmassieren, mit frischen Tüchern ausspülen. Mehr Aufwand, aber ohne Spezialgerät möglich.
Haarwäsche im Bett – Schritt für Schritt
Anleitung für die Methode mit aufblasbarem Haarwaschbecken:
Haarwaschbecken aufblasen, Eimer positionieren, 2 Handtücher, Shampoo, Kamm/Bürste, Föhn bereitlegen. Raumtemperatur auf mind. 22 °C, Wassertemperatur 37–38 °C (Handgelenk-Test).
Kopfteil flach stellen. Pflegebedürftigen zur Bettkante schieben, Kopf über die Kante in das Becken legen. Alternativ: Becken auf dem Bett unter den Kopf schieben. Schultern mit Handtuch abdecken.
Haare langsam mit dem Messbecher oder Brausekopf befeuchten. Stirn und Ohren mit der Hand schützen. Wasser fließt über den Abfluss ab.
Mildes Shampoo auf die Kopfhaut geben, sanft mit den Fingerkuppen einmassieren. Nicht mit den Nägeln kratzen. Kopfhaut gleichzeitig inspizieren (Schuppen, Rötungen, Krusten).
Shampoo-Reste vollständig ausspülen – Rückstände verursachen Juckreiz und Schuppen. Spülen dauert länger als man denkt.
Haare mit Handtuch vorsichtig drücken (nicht rubbeln). Bei Wunsch mit Föhn auf niedriger Stufe trocknen. Kämmen oder Bürsten – idealerweise Frisur nach Wunsch des Pflegebedürftigen.
Methoden im Vergleich
| Kriterium | Haarwaschbecken | Trockenshampoo / Hauben | Feuchte Tücher |
|---|---|---|---|
| Reinigungswirkung | Sehr gut | Befriedigend | Gut |
| Wasserverbrauch | 3–5 Liter | Kein Wasser | Minimal |
| Aspirationsrisiko | Gering (Kopf leicht überstreckt) | Kein Risiko | Kein Risiko |
| Zeitaufwand | 15–20 Min. | 5–10 Min. | 10–15 Min. |
| Wohlbefinden | Hoch (echte Wäsche) | Mäßig | Mittel |
| Ideal für | Regelmäßige Haarwäsche | Palliativ, Notfall, Sterbephase | Wenn kein Becken verfügbar |
Das Wichtigste auf einen Blick
- Haarwäsche mindestens 1× pro Woche – auch bei Bettlägerigkeit
- Raumtemperatur ≥ 22 °C – nasse Haare kühlen den Kopf stark aus
- Wassertemperatur 37–38 °C – am Handgelenk prüfen
- Biografische Gewohnheiten beachten – Lieblingsshampoo, Frisur-Wünsche
- Kopfhaut inspizieren – Schuppen, Rötung, Pilz, Krusten
- Haare drücken, nicht rubbeln – schont Haar und empfindliche Kopfhaut
Wenn Sie sich nur einen Gedanken merken:
Merksatz: Saubere Haare sind kein Luxus, sondern Grundbedürfnis. Wer bettlägerig ist, verliert vieles – die Würde durch gepflegte Haare muss bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Kann man ein Haarwaschbecken über die Pflegekasse bekommen?
Aufblasbare Haarwaschbecken können als Pflegehilfsmittel beantragt werden. Je nach Krankenkasse ist ein ärztliches Rezept erforderlich. Kosten: ca. 15–30 € im Handel – häufig werden sie auch von Sanitätshäusern verliehen.
Was tun bei Aspirationsgefahr?
Bei erhöhtem Aspirationsrisiko (Dysphagie, Bewusstseinsstörung): Auf Trockenshampoo oder Haube-Methode ausweichen – kein freies Wasser am Kopf. Alternativ: Oberkörper leicht erhöht lagern und Mundbereich stets frei halten.
Wie oft sollten die Haare im Bett gewaschen werden?
Mindestens einmal pro Woche. Bei starkem Schwitzen, Fieber oder seborrhoischer Dermatitis häufiger. Individuelle Gewohnheiten berücksichtigen – manche Menschen waren es gewohnt, täglich die Haare zu waschen.
Ist Föhnen bei Sauerstoff-Therapie erlaubt?
Grundsätzlich ja, aber: Bei laufender Sauerstoffgabe zuerst den Sauerstoff kurz pausieren (nach Rücksprache mit Arzt/Pflegefachkraft), da erhöhte O₂-Konzentration theoretisch brandgefährlich sein kann. In der Praxis bei normalen Nasenbrille-Flussraten unkritisch, aber Vorsichtsmaßnahme beachten.
Testen Sie Ihr Wissen
Auflösung anzeigen
Richtige Antwort: B) Trockenshampoo oder wasserlose Waschhaube
Bei Aspirationsgefahr sollte kein freies Wasser in Kopfnähe verwendet werden. Trockenshampoo oder vorgetänkte Waschhauben reinigen das Haar ohne Wasserfluss und sind besonders für die Palliativpflege geeignet.
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