Todeskampf die Agonie

Der Todeskampf – Die Agonie

Es ist der Stoff aus denen Albträume sind, ein sich endlos hinziehender Todeskampf. Es ist das eine, einen geliebten Menschen gehen lassen zu müssen, eine andere ist es einen realen Todeskampf mitansehen zu müssen. Doch nicht nur für Angehörige ist es ein Bild des Schreckens, das sich in diesem Fall bietet. Auch für alle, die an der Pflege und Betreuung beteiligt sind, können diese Fälle zu einer wahren Zerreißprobe werden.

Der Todeskampf oder auch Agonie, bezeichnet eine besondere Form des Sterbens

dies tritt vor allem dann auf, wenn sich der Mensch mit seinem unvermeidlichen Schicksal nicht arrangiert hat. In diesem Moment wird uns bewusst, wie viel Einfluss der Geist wirklich über den Körper haben kann. Mit aller Macht sträubt sich der Geist des Menschen zur Ruhe zu kommen. Primär ist dieses „Phänomen“ bei jüngeren Menschen zu beobachten, die durch eine schwere Krankheit viel zu früh aus dem Leben gerissen werden, wenn beispielsweise noch Dinge unerledigt sind oder das Versterben viel früher als erwartet beginnt. Auch Sozial-Ökonomische Komponente können eine wichtige Rolle spielen, wie die Versorgung der hinterbliebenen, welche noch nicht abschließend geklärt ist. Manchmal ist es auch der fehlende Abschied von einem geliebten Menschen, der den Sterbenden mit aller Macht sich an das Leben klammern lässt. Wir können nicht auf viele dieser Variablen Einfluss nehmen und so gestaltet sich auch die Begleitung als sehr schwierig. Hinzu kommt die Verunsicherung der Beteiligten, ob der richtige Weg gegangen wird bis zu Anschuldigungen der Angehörigen, dass man das Leiden verlängern würde oder sogar die Bitte „können Sie nicht etwas geben, dass dieses Leid ein Ende hat“.
Wir müssen hier nur auch explizit unterscheiden und beraten zwischen regulären Sterbeprozess mit entsprechenden Symptomen wie Rasseln und Schnappatmung, was bei Angehörigen mit dem Todeskampf häufig verwechselt wird. Der „Todeskampf“ zeigt sich in seinem Vollbild mit starken Unruhen, hochgradigen Berührungsparästhesien, hochzyklisches Schreien oder lautes Stöhnen, ungelenkten Aufstehversuchen mit massiver Sturzgefährdung, ungelenkten Schlagen und Treten mit teilweise Selbstverletzungen bis hin zu Frakturen.
Je nach Ausprägungsgrad ist leider sogar die Fixierung notwendig, um schlimmeres zu verhindern, da Bettseiten nicht mehr ausreichend sind. Die Fixierung in so einer Situation ist selbstverständlich nur als „Ultima Ratio“ anzusehen, da es eine Verschlimmerung darstellt und alle Beteiligten massiv zusätzlich belastet.
Positive Erfolge konnten vor allem dann verzeichnet werden, wenn der Auslöser für den Zustand gefunden wurde, wie das Eintreffen der Person auf, die noch gewartet wurde oder auch dem Zusprechen durch Angehörige. Primär letzteres hat sich in den fortschreitenden Phasen auch in Kombination mit pflegerischen Handlungen fast immer als positivere Auswirkung gezeigt und war der Handlung durch Personal vorzuziehen. Direkter Körperkontakt und das Beistellen von Betten für Angehörige während des Prozesses sollte hier Erwähnung finden. Das „Ankuscheln“ des Lebenspartners oder der Kinder zeigte uns auch immer wieder in den Begleitungen, dass ein „Sterbeprozess“ nicht nur von der betroffenen Person getragen wird, sondern ein familiärer Zustand ist.
Das Verabschieden, welches wir mit Worten ausdrücken, unterliegt in der Natur scheinbar eigenen Regeln und kann auch rein auf psychische Prozesse Anwendung finden. Wenn das Gehirn irgendwann nicht mehr in der Lage ist, das gesprochene Wort zu verarbeiten, bleibt die Stimmerkennung und die Besonderheit einer bestimmten Berührung in den feinen Nuancen von Geruch, Wärme, Hautgefühl und Kraft ein individuelles Erkennungsmerkmal, welches das Gehirn wie einen genetischen Fingerabdruck hinterlegt und für jede Person abspeichert.
Der Einsatz von Tavor welcher häufig bei Sterbeprozessen stattfindet, war hier durch paradoxe Wirkungen geprägt, die sonst typisch bei demenziell veränderten auftraten. Eine Erklärung könnte die hohe Ausschüttung von Stresshormonen sein, ist bisher aber nicht durch Studien belegt.
Auch der Einsatz von „Finalen Sedierungen“ zeigte sich als schwieriger, sodass höhere Konzentrationen an Medikamentendosierungen notwendig waren und die Wirkung sich auch schneller abbauten.
In 1/3 der Fälle wurden auch nicht alle Sterbephasen durchlaufen, bei einigen Patienten trat nach langem „Kampf“ ein spontaner Herzstillstand ein, obwohl noch keine Atemveränderungen wie Schnappatmung eingesetzt hatten.
Die Ursache kann auch hier nur vermutet werden und geht zumeist in Richtung Elektrolytentgleisung mit Erlöschen der Herzzellenaktivität oder akuten Ereignissen wie Apoplex, Herzinfarkt oder Embolien.
Der Todeskampf stellt einen der schlimmsten Situationen von Sterbeprozessen dar und klingt auch nach dem Versterben des Patienten nach. Die Fallaufbereitung sowie das Gespräch im Team und psychologische Stütze sollten also legitim sein, da hier Grenzen und auch eigene Ängste schnell und nachhaltig überschritten werden können. Die Führungsqualitäten nach solchen Ereignissen sind von Vorgesetzten gefordert, sowie die feinfühlige Gesprächsführung mit den Beteiligten, um einen nachhaltigen Schaden im Team zu vermeiden. Hier ist auch an das Thema PTBS zu denken.

Kategorien: