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Demenz

Demenz – Wenn die Mauern der Seele fallen

 
Einer die häufigsten Aspekte in der Demenz ist das Fortschreiten der Vergesslichkeit, doch gibt es ein Themenfeld, das nur sporadisch zur Sprache kommt. Das Durchleben von vergangenen Ereignissen wird regelmäßig stiefmütterlich behandelt, obwohl es ein entscheidender Punkt für die Demenzbehandlung darstellt.
 
Im Normalfall sind schlimme Erlebnisse wie Verbrechen oder Erfahrungen zum Zeitpunkt des Geschehens am prägnantesten, im Laufe der Zeit bilden wir um dieses Geschehnis eine Art Mauer, die unseren Geist beginnt abzuschirmen. Dieser Mechanismus ermöglicht uns trotz wiederkehrender Bilder, das Leben weiterzuführen. Heute kennen wir noch zusätzliche Methoden wie Psychotherapien, welche diesen Mechanismus durch Aufarbeitung unterstützen. Naomi Feil schrieb in einem ihrer Bücher über das „Wegbrechen der Mauern“. Sie objektivierte damit den Verfall der Schutzmechanismen, welcher hier stattfindet und Demenzpatienten wieder in bestimmte Situationen ihres Lebens zurückversetzt. Doch gibt es noch einen weiteren entscheidenden Mechanismus, der ebenfalls wegbricht und Situationen schnell in eine Eskalation führen kann.
 

Demenz, ein Albtraum

 
 Wir kennen das Problem aus Albträumen, welche Angst erzeugend wahrgenommen werden. Während des Traumes werden keine Stresshormone ausgeschüttet, die Angst unterdrücken und den Stress reduzieren, ähnliches verhält sich in Flashbacksituationen bei Demenzerkrankten. Die ursprünglich schon schlimme Situation wird nun ohne jegliche Adrenalinunterstützung durchlebt und bringt den Geist an den Rand der Verzweiflung. Emotionale Ausbrüche wie weinen, schreien, schlagen, wüten können schnell entarten und stellen auch eine Gefahr für andere Personen dar. Da diese Situationen und Erfahrungen bei fortgeschrittener Demenz auftreten, trifft vieles auch auf Unverständnis der Person. Medikamentöse Therapien zur Milderung der Ängste sind hilfreich, sollten den Patienten nicht stark sedieren. Hier sollte verstärkt die Validation angewandt werden, um die Emotionen des Menschen aufzunehmen und diese lenken zu können. Häufig fehlen Einrichtungen auch die Räumlichkeiten, um aggressiven Gefühlen Platz zur Entfaltung zu geben, ohne sich selbst zu verletzten. Boxsäcke oder ein Schreiraum, um das innere Gefühlsleben zu entlasten, haben sich als gute Möglichkeiten erwiesen, um diesen Gefühlen einen Weg nach draußen zu geben. Andersherum sind auch die Gefühle von Angst zu benennen und einen Platz der Geborgenheit sowie Sicherheit zu schaffen. Die Sicherheit in den Armen eines anderen Menschen, der beschützend wirkt oder die Verwendung schwerer Decken.
 
Das Steigen in die emotionale Welt von Demenzpatienten und die Reise durch deren Geschichte ist nicht nur wahnsinnig interessant, sondern kann auch manchmal erschreckend sein. Sich auf die Pflege einzulassen und den Menschen in seinen Facetten zu sehen, welche durch die Demenz fast vollständig ungefiltert auf einen treffen, ist eine ganz besondere Herausforderung. Sedieren kann jeder, begleiten und Empathie als Mittel einzubringen, das ist die Meisterklasse.
 
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