Behandlungspflege

Blutdruck messen – Anleitung für die Pflege

Korrekte Blutdruckmessung am Oberarm: Technik, Normwerte nach Leitlinie, Fehlerquellen und wann sofort gehandelt werden muss.

LG 1
Behandlungspflege
5 Schritte
Standardisierte Messung
20 Mio.
Hypertoniker in DE (RKI)

Was ist die Blutdruckmessung?

Die Blutdruckmessung bestimmt den Druck des Blutes auf die Gefäßwände in mm Hg – systolisch (Auswurf) und diastolisch (Füllung). Sie ist das wichtigste Vitalzeichen zur Erkennung von Hypertonie (Bluthochdruck) und Hypotonie (niedriger Blutdruck).

In der Pflege wird standardmäßig am Oberarm gemessen, sitzend oder liegend. Die Blutdruckmessung gehört zur Behandlungspflege LG 1 (§ 132a SGB V) und wird nach ärztlicher Verordnung durchgeführt.

💡 Normwert (ESC/ESH-Leitlinie): Optimal < 120/80 mm Hg · Normal 120–129/80–84 · Hoch-normal 130–139/85–89 · Hypertonie Grad 1 ≥ 140/90.

Häufige Fehlerquellen bei der Blutdruckmessung

  • Falsche Manschettenbreite – zu schmale Manschette → Wert zu hoch; zu breite → zu niedrig
  • Manschette über Kleidung – dämpft Messung, verfälscht Ergebnis
  • Arm nicht auf Herzhöhe – hängender Arm → ca. +7 mm Hg pro 10 cm unter Herzhöhe
  • Keine Ruhephase – Messung direkt nach Anstrengung/Aufregung → falsch-hohe Werte
  • Sprechen während der Messung – erhöht den Wert um bis zu 10 mm Hg
  • Volle Blase – erhöht syst. Blutdruck um bis zu 15 mm Hg

⚠️ Seitendifferenz beachten: Bei Erstmessung an beiden Armen messen. Differenz > 15 mm Hg systolisch ist abklärungsbedürftig (Subclavian-Steal, Aortenisthmusstenose). Künftig am Arm mit dem höheren Wert messen.

Praxis: Blutdruck-Kontrolle bei Hypertonie

Praxisbeispiel

Frau P., 81 Jahre, Pflegegrad 2, arterielle Hypertonie Grad 2, Medikation: Ramipril 5 mg morgens, Amlodipin 5 mg abends. Pflegekraft Herr F. misst morgens nach 5-minütiger Ruhepause den Blutdruck am rechten Oberarm (dokumentierter Messarm). Sitzend, Arm aufgestützt auf Herzhöhe, Manschette direkt auf die Haut, 2 cm über der Ellenbeuge. Ergebnis: 148/92 mm Hg. Da der Zielwert laut Arzt < 140/90 ist, wird der Wert dokumentiert und beim nächsten Arztbesuch besprochen.

➔ Fazit: Ruhe → richtiger Arm → Herzhöhe → Manschette auf Haut → messen → dokumentieren → Arzt bei Abweichung informieren.

Blutdruck messen – 5 Schritte

1
Vorbereitung & Ruhephase

Patient mindestens 5 Minuten ruhig sitzen oder liegen lassen. Kein Koffein/Rauchen 30 Min. zuvor. Blase entleeren lassen. Gerät und passende Manschette bereitlegen (Umfang am Oberarm prüfen).

2
Manschette anlegen

Manschette direkt auf die Haut am Oberarm, ca. 2 cm oberhalb der Ellenbeuge. Markierung (Arteria brachialis) an der Innenseite des Oberarms ausrichten. Manschette straff, aber nicht einschnürend – 1–2 Finger sollten darunter passen.

3
Arm positionieren

Arm locker aufstützen (Tisch, Kissen), sodass die Manschette auf Herzhöhe liegt. Beine nicht überkreuzen (erhöht den Druck). Patient soll nicht sprechen während der Messung.

4
Messung durchführen

Gerät starten. Bei automatischen Geräten: Manschette bläst sich auf und misst oszillometrisch. Bei auskultatorischer Messung (Stethoskop): Manschette aufpumpen bis 30 mm Hg über erwarteten systolischen Wert, langsam ablassen (2–3 mm Hg/Sek.), Korotkoff-Geräusche hören.

5
Wert dokumentieren & bewerten

Wert notieren: systolisch/diastolisch, Puls (wenn Gerät anzeigt), Uhrzeit, Körperposition (sitzend/liegend), Messarm. Bei Werte außerhalb des Zielbereichs: mit ärztlicher Verordnung abgleichen.

Blutdruck-Klassifikation (ESC/ESH-Leitlinie)

Kategorie Systolisch (mm Hg) Diastolisch (mm Hg) Maßnahme
Optimal < 120 < 80 Weiter beobachten
Normal 120–129 80–84 Weiter beobachten
Hoch-normal 130–139 85–89 Arzt informieren bei Risikofaktoren
Hypertonie Grad 1 140–159 90–99 Ärztliche Therapieüberprüfung
Hypertonie Grad 2 160–179 100–109 Arzt zeitnah informieren
Hypertonie Grad 3 ≥ 180 ≥ 110 Sofort Arzt / Notfall bei Symptomen
Hypotonie < 100 < 60 Sturzgefahr! Symptome prüfen, ggf. Arzt

⚠️ Hypertensiver Notfall: RR ≥ 180/110 mit Symptomen (Kopfschmerz, Sehstörungen, Brustschmerz, Atemnot, Verwirrtheit) → Sofort Notarzt (112)! Endorganschäden drohen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 5 Minuten Ruhephase vor der Messung – Anstrengung erhöht den Wert
  • Manschette direkt auf die Haut – nicht über Kleidung
  • Arm auf Herzhöhe – hängender Arm verfälscht das Ergebnis
  • Nicht sprechen, Beine nicht überkreuzen – beides erhöht den Blutdruck
  • Passende Manschettengröße – falsche Breite = falsche Messwerte
  • RR ≥ 180/110 + Symptome = Notfall – sofort 112
  • Dokumentation – Wert, Puls, Uhrzeit, Position, Messarm

Wenn Sie sich nur einen Gedanken merken:

Merksatz: Ruhe – Haut – Herzhöhe – Schweigen: Vier Bedingungen, ohne die kein Blutdruckwert verlässlich ist.

Häufig gestellte Fragen zur Blutdruckmessung

An welchem Arm soll gemessen werden?

Bei der Erstmessung an beiden Armen. Künftig am Arm mit dem höheren Wert. Dieser wird als „Messarm“ dokumentiert. Nicht am Arm mit Shunt (Dialyse), Lymphödem, Parese oder Infusion messen!

Wie groß muss die Manschette sein?

Die Gummiblase in der Manschette soll 80 % des Oberarmumfangs abdecken. Standard-Manschetten passen für 22–32 cm. Bei kräftigen Armen (> 32 cm) ist eine XL-Manschette nötig – sonst wird der Wert falsch-hoch gemessen.

Ist die Messung am Handgelenk genauso genau?

Handgelenk-Geräte sind fehleranfälliger, besonders bei älteren Menschen (Arteriosklerose). Die Oberarm-Messung gilt als Goldstandard. Handgelenk: nur wenn Oberarmmessung nicht möglich ist, und immer auf Herzhöhe halten.

Warum ist der erste Wert oft höher?

Das ist der „Weißkittel-Effekt“ bzw. Aufregung bei der Messung. Empfehlung: Zwei Messungen im Abstand von 1–2 Minuten, den Durchschnitt der zweiten und ggf. dritten Messung dokumentieren.

Was ist eine orthostatische Hypotonie?

Ein Blutdruckabfall um ≥ 20 mm Hg systolisch (oder ≥ 10 diastolisch) innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen. Häufig bei älteren Menschen → Sturzgefahr! Test: RR liegend messen, dann nach 1 und 3 Min. im Stehen.

Testen Sie Ihr Wissen

Wissenscheck
Warum darf die Blutdruckmanschette nicht über Kleidung angelegt werden?
A) Die Kleidung wird beschädigt
B) Die Manschette hält nicht richtig
C) Kleidung dämpft die Messung und verfälscht den Wert
D) Das ist nur bei manuellen Geräten wichtig
Auflösung anzeigen

Richtige Antwort: C) Kleidung dämpft die Messung

Kleidungsschichten zwischen Manschette und Haut dämpfen die Druckübertragung und führen zu verfälschten – meist zu niedrigen – Messwerten. Die Manschette muss immer direkt auf der Haut liegen.

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TR
Tim Reinhold Dozent für Pflegeweiterbildung · Fachautor im Wissenszentrum Pflege

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