Willkommen an Bord auf der MS Schrottwichteln.

In meiner Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger wurde ich damals auf der Neurologie eingesetzt. Ein Patient geht mir bis heute nicht aus dem Kopf, weil er einen der besten Beschreibungen für MS (Multiple Sklerose) lieferte, die ich je gehört habe.
„MS ist wie Schrottwichteln, du weißt, dass es stattfindet, du hast den Termin aber nicht mitbekommen und du weißt das es nur Schrott gibt, den du geschenkt bekommst.“
Was auf der einen Seite lustig klingt, beschreibt diese schwere Erkrankung und deren Verlauf leider ziemlich gut. Das Wort Multiple Sklerose (MS oder auch ED = Encephalomyelitis disseminata) steht für eine chronisch verlaufende Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS = Gehirn und Rückenmark) mit Entzündungen die autoimmun (Körper greift sich selbst an) ausgelöst werden.
Diese Prozesse lassen sich in der weißen Substanz des Gehirns und Rückenmark feststellen, indem sie zu einer Zerstörung der Myelinscheiden an den Nerven führen.
Diese Myelinscheiden sind für Nervensignale unerlässlich und können durch den Angriff der eigenen Immunzellen beschädigt werden, was zu fehlerhafter Übertragung führt, oder gänzlich zerstört werden. Eine Beschädigung mit fehlerhafter Übertragung, kann potenziell heilen und vernarben, was zu einer Besserung der Symptome führen kann. Eine Zerstörung ist irreversibel (nicht rückgängig zu machen). Leider kann bis heute nicht eindeutig geklärt werden ob sich ein Symptom, das durch den Angriff der Myelinscheiden entsteht, wieder bessern wird oder nicht. In vielen Fällen hilft leider nur Abwarten.
Die durch den körpereigenen Angriff ausgelösten Symptome sind durch die Beteiligung von Gehirn und Rückenmark umfangreich. Es kann von Einschränkungen der Bewegung über Lähmung, bis zu Sehstörungen, Inkontinenz und vollständiger Immobilität alles dabei sein.
Primär betroffen ist der Bewegungsapparat, was vermutlich auch am Umfang der Strukturen liegt, die den überwiegenden Teil des ZNS ausmachen.
Genauso unterschiedlich wie die Symptome kann auch der Verlauf von Multiple Sklerose sein.
Es gibt Patienten, die nur einen Schub in ihrem ganzen Leben haben, chronische Verläufe mit mehreren Schüben, die überwiegend rückläufige Symptome zeigen bis hin zu schweren progredient (schwere Schübe, deren Symptome sich immer weiter verschlimmern ohne wirkliche Besserungen) Verläufen.

Erstdiagnose von MS (Multiple Sklerose)

Im MRT können Entzündungsherde des Gehirns lokalisiert werden, dies ist die häufigste Form der ersten Diagnosestellung. Die häufigste angewandte Therapieform ist die Gabe von Immunsupprimierenden (Senkung des Immunsystems) und entzündungshemmender Medikamente bei akuten Schüben.

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